Siemens entrümpelt Chefetagen: Hunderte leitende Titel gestrichen

Im Zuge seiner Neuaufstellung verabschiedet sich Siemens offenbar von zahlreichen Chef-Bezeichnungen – ein Bruch mit alten Gewohnheiten.

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Am Donnerstagnachmittag, so heißt es aus Siemens-internen Kreisen, gab es einen bemerkenswert nüchternen Call. Konzernchef Roland Busch und der übrige Vorstand informierten einen ausgewählten Managerkreis über einschneidende Veränderungen: Zahlreiche Chef-Titel wie CEO oder CFO auf unteren Unternehmensebenen werden abgeschafft. Stattdessen sollen künftig Bezeichnungen wie 'Head of ...' oder 'Managing Director' Einzug halten. Dass dies in der Führungsetage nicht nur Begeisterungsstürme auslöst, dürfte niemanden überraschen – viele Führungskräfte identifizieren sich maßgeblich mit ihrem Titel, und das Unternehmen zählte zuletzt über 300 verschiedene CEOs und CFOs in internen Einheiten. Siemens steuert damit auf einen echten Kulturumbruch zu: Weg vom Flickenteppich kleiner, fast eigensinniger Bereiche, hin zu einer integrierten, schlagkräftigen Tech-Company. Was so nüchtern klingt, sorgt hinter den Kulissen für viel Unsicherheit, denn: Noch ist nicht klar, wer künftig welche Rolle besetzt oder unter welchem Titel firmiert. Am 1. Oktober soll das neue Organisationsmodell scharfgestellt werden. Wenig überraschend herrscht daher unter zahlreichen Führungskräften eine Mischung aus Nervosität und gespannter Erwartung. Übergänge sind selten einfach – vor allem, wenn alte Strukturen plötzlich wanken.

Siemens streicht im Rahmen des 'One Tech Company'-Programms zahlreiche Chef-Titel, um Doppelstrukturen aufzulösen und den Übergang zu einem einheitlichen Technologiekonzern zu forcieren. Die Ankündigung stiftet Unklarheit und Unsicherheit unter vielen Führungskräften, die nach Jahren in tradierten Titeln nun mit neuen Bezeichnungen und Aufgaben rechnen müssen. Diese Maßnahme ist Teil einer tiefergehenden Konzerntransformation: Vom Konglomerat mit weitgehend autonomen Einheiten hin zu einem neuen Unternehmensmodell, das auf Integration, Transparenz und mehr Agilität setzt. Übrigens berichten viele Medien aktuell (Stand Juni 2024) von einer generellen Zunahme solcher Umstrukturierungen in Großkonzernen: Es geht meist nicht mehr nur um Sparmaßnahmen, sondern darum, Unternehmen für die digitale und nachhaltige Zukunft neu auszurichten, Verantwortlichkeiten zu bündeln und Hierarchien abzuflachen. Gerade im deutschen Technologiebereich wird der Ruf nach mehr Beweglichkeit und Modernerem immer lauter. Siemens wagt hier also einen, möglicherweise holprigen, Vorstoß in Richtung Zukunft.

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