Stiftung Altenhof zweifelt an Wirkung der geplanten Pflegereform

Noch in diesem Herbst plant die Bundesregierung entscheidende Neuerungen im Bereich der Pflegeversicherung. Der Widerstand in der Branche wächst jedoch.

heute 13:26 Uhr | 2 mal gelesen

Hans-Jürgen Wilhelm, der Vorsitzende der Hamburger Stiftung Altenhof, meldet sich mit ungewohnt scharfen Worten zur geplanten Pflegereform zu Wort – und hält wenig von den umstrittenen Vorhaben. Im Gespräch mit dem 'Spiegel' bleibt er dabei nichts schuldig: "Von einer echten Reform kann man da wirklich nicht sprechen. Was aktuell auf dem Tisch liegt, ist bloß ein Sparpaket, das noch mehr Chaos ins System bringen wird." Besonders kritisiert Wilhelm das beharrliche Sicherheitsdenken im deutschen Pflegesystem. Dies führe nicht nur zu ständig steigenden Kosten, sondern raube auch den ohnehin schon strapazierten Bewohnerinnen und Bewohnern viele kleine Freuden des Alltags. Ein Beispiel nimmt Wilhelm aus seinem eigenen Alltag: Selbst simple Wünsche, etwa ein frisch gebratenes Spiegelei, scheitern an strikten Hygieneauflagen. Das verursache abstruse Situationen: "Pflegebedürftige und deren Familien geben Unsummen aus, doch letztlich fehlt oft echte Lebensqualität." Eine Ursache sieht Wilhelm in der starren Trennung aus ambulanter und stationärer Versorgung. "Gerade innovative Zwischenformen, die Freiräume schaffen und den Kassen Kosten ersparen könnten, bleiben auf der Strecke." Ein Ansatz, den Wilhelm favorisiert: alternative Lebens- und Wohnprojekte, wie Pflege-Wohngruppen auf dem Land oder Demenzdörfer, die mehr an den Bedürfnissen der Menschen orientiert sind als am bürokratischen Dienstweg. Schließlich gehe es um ein würdevolles Leben, nicht nur ums reine Funktionieren.

Die geplante Reform der Pflegeversicherung stößt insbesondere unter Fachleuten wie Hans-Jürgen Wilhelm auf massive Kritik. Wilhelm sieht primär Sparmaßnahmen statt nachhaltiger Verbesserungen und fordert stattdessen flexible Modelle und mehr Alltagsfreude für Pflegebedürftige. In aktuellen Diskursen, etwa seitens Pflegeverbänden oder Praktikern, werden wiederholt ähnliche Sorgen geäußert: Viele beklagen die bürokratische Überfrachtung der Pflege sowie zu wenig finanzielle wie personelle Ressourcen. Auch Medien wie die Süddeutsche Zeitung und der Spiegel berichten über die Überforderung des Pflegesystems – Stichworte: Personalmangel, Kostensteigerungen, Frust bei Angehörigen und Beschäftigten. Während die Regierung betont, die Reform sei dringend nötig, fordern Betroffene und Branchenkenner weitergehende Änderungen, etwa mehr Unterstützung von alternativen Wohnformen oder einen Abbau von Reglementierungen, um die Lebensqualität der Pflegebedürftigen tatsächlich zu erhöhen.

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