Es solle, so UEFA, keine einzige Möglichkeit ausgeschlossen werden, um ähnliche Alleingänge künftig auszuschließen. Nach Ansicht des europäischen Verbandes hat die aktuelle FIFA-Leitung nicht nur das Vertrauen der UEFA verspielt, sondern auch das vieler weiterer Mitglieder aus dem globalen Fußballverbund. Während die UEFA die Rücknahme der umstrittenen Privatisierungspläne für Turniere wie die Weltmeisterschaft begrüßt, unterstreicht sie auch das breite Unverständnis und den Widerstand vieler Nationalverbände weltweit gegen diese Idee. Besonders kritisch geht die UEFA mit Gianni Infantino ins Gericht – dieser habe bei seiner Wahl 2016 Transparenz und sorgfältigen Umgang mit den FIFA-Mitteln garantiert, sei diesen selbstgesteckten Maßstäben aber nicht gerecht geworden. Stattdessen werfen ihm die Europäer vor, einen heimlichen, undurchsichtigen Deal über die Bühne gebracht zu haben, fernab von Transparenz und im Widerspruch zum Wohl des internationalen Fußballs – zumal bei üppigen Rücklagen von über fünf Milliarden US-Dollar. Da wäre, so die UEFA, deutlich mehr Verantwortungsbewusstsein angebracht gewesen. Vielleicht fehlt dafür einfach der Blick für das Ganze – oder der Wille, ihn sich zu erarbeiten.
Die letzte Eskalationsstufe im Konflikt zwischen UEFA und FIFA rührt von Infantinos geplatzten Privatisierungsplänen für Wettbewerbe wie die Fußball-WM her. Die UEFA wertet das Scheitern als Signal, das Misstrauen gegen die FIFA-Führung sei weit verbreitet – sowohl in Europa als auch weltweit. Besonders brisant: Es ist kein reines Machtgerangel, sondern eine Grundsatzfrage nach Kontrolle, Transparenz und dem Selbstverständnis internationaler Fußballverbände. Laut weiteren Medienberichten wächst der Druck auf Infantino. Mehrere europäische Fußballverbände sähen inzwischen seine Glaubwürdigkeit erschüttert. UNICEF und Transparency International weisen darauf hin, wie sich mangelnde Rechenschaftspflicht direkt auf die Entwicklungsperspektiven junger Spieler in ärmeren Ländern auswirken könnte. Eine breite Koalition plant, künftig schärfere interne Kontrollmechanismen zu etablieren. Hintergrund ist auch der allgemeine Ruf nach Reformen, der sich nach den jüngsten Korruptionsskandalen im Weltfußball kaum eindämmen lässt.