Das gab Selenskyj am Dienstag via Telegram bekannt. Bemerkenswert: Er betonte dabei ausdrücklich die Verdienste Syrskyjs, etwa beim Schutz von Kiew, der Gegenoffensive im Raum Charkiw und den Operationen nahe Kursk. "Ich danke Ihnen", richtete der Präsident stellvertretend an alle Soldaten; ein Satz, der irgendwo zwischen Anerkennung und Pflichtübung pendelte. Den Posten des neuen Armeeoberhaupts übernimmt Mykhailo Drapatyj. Außerdem kündigte Selenskyj direkt einen strukturellen Umbau der Militärführung an. Interessant ist der zeitliche Zusammenhang: Bereits zuvor war Verteidigungsminister Mychailo Fedorow – nicht ganz geräuschlos übrigens – aus dem Amt befördert worden; zuletzt hatte er sich mit Syrskyj offen gestritten, was öffentlich Wellen schlug. Fedorows Rauswurf hatte nicht wenige Bürger gegen die Regierung aufgebracht – vereinzelt kam es sogar zu Protesten auf der Straße. Währenddessen steigt der Druck auf Kiew: Die Hauptstadt war zuletzt Ziel besonders heftiger russischer Angriffe, und laut Berichten der UN-Mission HRMMU gab es im Juni mehr zivile Opfer als in den vorangegangenen Monaten seit Kriegsbeginn. Das hinterlässt Spuren, nicht nur in der Bevölkerung, sondern auch in der obersten Ebene der Streitkräfte – und löst, so mein Eindruck, Unruhe wie in einem überhitzten Maschinenraum aus.
Der ukrainische Präsident Selenskyj hat seinen bisherigen Oberbefehlshaber, Oleksandr Syrskyj, abgelöst und äußerte dabei zwar Dank, setzt aber auf einen Generationswechsel mit dem neuen Militäroberhaupt Mykhailo Drapatyj. Gründe für die Umstrukturierung sind offenbar interne Konflikte in der Armeeführung – verdeutlicht durch den ebenfalls erfolgten Wechsel an der Spitze des Verteidigungsministeriums, wo zuvor offene Differenzen zwischen Syrskyj und Ex-Minister Fedorow ausgetragen wurden. Begleitet wird das alles von einer schweren Eskalationsphase im russischen Angriffskrieg, vor allem auf Kiew, und einem drastischen Anstieg ziviler Opfer, was sowohl innenpolitischen als auch militärischen Druck auf Selenskyj und sein Team ausübt. Zusätzlich berichten mehrere internationale Nachrichtenkanäle, dass Selenskyjs Führungsstil und die Personalpolitik unter kritischer Beobachtung der Bevölkerung wie auch westlicher Partner stehen. Die Lage bleibt fragil: Während die ukrainische Führung mit der aktuellen Personalrochade Handlungsfähigkeit zeigen will, kommen gleichzeitig Proteste und Zweifel an der politischen Stabilität auf.