Verdi hält flächendeckende Streiks im Einzelhandel für möglich

Für Supermarktbesucher könnten demnächst längere Streikaktionen bevorstehen, denn die Gewerkschaft Verdi erwägt drastische Ausweitungen im Tarifkonflikt.

heute 14:51 Uhr | 2 mal gelesen

Die Gespräche zur Tarifrunde im Einzelhandel ziehen sich nun schon seit April hin, ohne greifbares Ergebnis. Laut Süddeutscher Zeitung stellt Verdi eine Eskalation der Arbeitskampfmaßnahmen in Aussicht, sollte sich die Arbeitgeberseite in Kürze nicht bewegen. Silke Zimmer aus dem Verdi-Vorstand drohte mit mehrtägigen Streiks – besonders bei jenen Ketten, die sich offenbar als besonders hartleibig zeigen. Die Gewerkschaft fordert für die Beschäftigten sieben Prozent mehr Gehalt und ein Mindeststundenlohn von 14,90 Euro. Das beträfe etwa jeden vierten der mehr als drei Millionen Beschäftigten direkt. Als Gründe für die Forderungen nennt Verdi die enormen Preissteigerungen seit Einsetzen der Inflation und gestiegene Spritpreise, verschärft durch internationale Konflikte. Eine nach wie vor spürbare Inflation – Experten rechnen für 2024 mit knapp drei Prozent – belastet Konsum und Lohnentwicklung ohnehin weiter. Auf Arbeitgeberseite sieht der Handelsverband HDE indes kaum Spielraum und bietet einen Lohnzuwachs von 4,4 Prozent an. Die aktuelle wirtschaftliche Situation lasse höhere Abschlüsse nicht zu, meint HDE-Tarifchef Steven Haarke. Besonderes Konfliktpotenzial offenbart sich bei den niedrigen Gehältern, etwa für Berufseinsteiger: In manchen Bundesländern könnten sie durch die geplante Mindestlohnerhöhung 2027 praktisch eingeholt werden. Dass Menschen mit abgeschlossener Ausbildung nur noch das setzen, was politisch als Untergrenze gilt, hält Zimmer für absolut inakzeptabel. Die Arbeitgeber wiederum weisen auf zusätzliche Leistungen wie Urlaubs- und Weihnachtsgeld hin – so liege das Einstiegsgehalt tatsächlich schon über dem künftigen Mindestlohn.

Die Tarifrunden im Einzelhandel stecken in einer Sackgasse: Verdi hält Streikmaßnahmen für denkbar, falls die Arbeitgeber ihr Angebot nicht verbessern. Besonders kritisch ist die Situation für junge oder neu eingestellte Verkäuferinnen und Verkäufer, deren Gehälter in manchen Regionen nahezu auf Mindestlohn-Niveau fallen könnten. Im Hintergrund stehen hohe Inflation und Unsicherheiten durch geopolitische Konflikte, was bei Beschäftigten wie Unternehmen gleichermaßen für Nervosität sorgt. Recherchen auf aktuellen Nachrichtenseiten zeigen, dass die Streikwelle im Einzelhandel deutschlandweit für große Aufmerksamkeit sorgt. Laut FAZ breiten sich die Warnstreiks bereits in mehreren Bundesländern aus (08.06.2024), wobei Verdi gezielt große Handelsketten trifft. Währenddessen berichtet die Süddeutsche, dass insbesondere das Problem der ungleichen Löhne und der Unmut über die geringe Wertschätzung der Beschäftigten die Stimmung im Einzelhandel zunehmend anheizen, sich aber bislang keine Lösung abzeichnet.

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