Wer wenig formale Ausbildung hat, drückt selten nochmal die 'Schulbank' – zumindest im Joballtag. Laut einer frischen Untersuchung von Ifo-Institut und TU München (um die 3.700 Teilnehmende übrigens), nehmen gerade einmal knapp die Hälfte der geringer Qualifizierten an Fortbildungen teil. Bei denen mit mehr Bildungsabschlüssen ist der Wert wesentlich höher: 67 Prozent. Warum das so ist? Offenbar erhoffen sich Menschen mit mehr Qualifikation weit mehr: Mehr Lohn vielleicht, bessere Aussichten, mehr Einfluss im Team – während sich die anderen unterschätzen oder die möglichen Vorteile gar nicht richtig erkennen. Das sagt übrigens Philipp Lergetporer, Professor an der TUM und Ifo-Experte.
Interessant: Die Studie liest auch zwischen den Zeilen. Wer regelmäßig Weiterbildungsangebote mitnimmt, rechnet mit bis zu neun Prozent mehr Gehalt nach sechs Jahren – egal ob es gleich die große Karriereleiter wird oder nur ein bisschen mehr Sicherheit im Joballtag bringt. Hanna Brosch von der TUM sagt zudem, dass nicht nur Geld lockt: Interessantere Aufgaben, weniger Angst vorm Jobverlust, eventuell auch ein besseres Gefühl der Zugehörigkeit.
Die Forschenden haben sich auch angeschaut, wie sich der Wille zur Weiterbildung überhaupt anstoßen lässt. Und siehe da: Schon einfache Info-Häppchen, mal von Chef oder Personalabteilung gestreut, machen manche – besonders im Lager der Formal-Geringqualifizierten – neugieriger auf Weiterbildung. "Niederschwellige und günstige Maßnahmen reichen oft, um den Funken zu zünden", so Franziska Pfaehler vom Bildungsökonomik-Team des Ifo.
Eine aktuelle Erhebung zeigt, dass nur etwa 45 Prozent der geringer qualifizierten Arbeitnehmer in Deutschland an betriebsinterner Weiterbildung teilnehmen, während der Anteil bei höher Qualifizierten bei 67 Prozent liegt. Die Untersuchung legt nahe, dass die Einschätzung des Nutzens von Weiterbildungen stark vom eigenen Bildungsstatus abhängt: Wer mehr erwartet, investiert auch eher. Neuere Recherchen machen deutlich, dass jüngste wirtschaftliche Unsicherheiten und der digitale Wandel den Weiterbildungsdruck auf alle erhöhen, doch soziale Herkunft, mangelndes Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten und fehlende Impulse im Unternehmen bleiben weiterhin klare Hürden – das bestätigt auch die Bundesagentur für Arbeit, die einen Ausbau niedrigschwelliger Beratungsangebote fordert.