Manchmal kann einen die Ironie der Natur erschlagen: Während auf den himmelstürmenden Alpengipfeln das Eis förmlich davonrinnt, bleibt der Rhein ungewöhnlich trocken. Der Gletscherforscher Matthias Huss, der an der ETH Zürich arbeitet, erklärte kürzlich in einem Interview mit der FAZ, dass die Situation sich in absehbarer Zukunft weiter zuspitzen werde. Jeder heiße Tag, jedes Jahr mit extremer Schmelze verringere die uralten Wasserreserven der Bergwelt. Huss sieht darin ein riskantes Spiel: "Gerade wenn wir das Gletscherwasser im Sommer am dringendsten brauchen, bleibt es aus – und die Pegelstände der Flüsse wie des Rheins sinken immer weiter." Es gäbe jetzt keinen Aufschub mehr: Der Zufluss aus dem "Eispuffer" lässt spürbar nach, und mit jedem geschmolzenen Gletscher nimmt das Volumen unwiderruflich ab. "Zukünftig werden die Ausflussmengen rapide sinken, letztlich bis die Gletscher Geschichte sind," meint Huss.
Schon jetzt werde laut Huss an heißen Sommertagen etwa ein Fünftel des Rheinwassers durch Gletscher gespeist. Wenn diese Quelle versiegt, sieht er bedrohliche Folgen für die Schifffahrt, aber auch für die umliegenden Staaten. "Das verlängert die Phasen des Niedrigwassers erheblich und stellt Deutschland und die Schweiz vor immense Schwierigkeiten." Ein Blick auf die Schweiz wirkt fast surreal: Zwischen 2016 und 2023, so Huss, seien dort sage und schreibe 160 Gletscher vollständig verschwunden. Und damit leider nicht genug – auch diesen Sommer wird es weiteren massiven Schwund geben.
Die Alpengletscher schmelzen aktuell schneller als je zuvor – ein Prozess, der durch den Klimawandel massiv beschleunigt wird. Matthias Huss, ein führender Fachmann auf diesem Gebiet, warnt vor einer ernsten Zuspitzung der Lage: Das über Jahrhunderte angesammelte Wasser in den Gletschern schwindet und fehlt gerade in heißen Sommern, in denen es für Flüsse wie den Rhein besonders wichtig wäre. Recherchen zeigen, dass laut neusten Studien etwa 10% der Alpen-Eisfläche in den letzten zwei Jahren verschwunden sind; das Jahr 2022 brachte europaweit einen extremen Rekordverlust, der von Wissenschaftlern auf die außergewöhnlich hohen Temperaturen und geringe Schneefälle zurückgeführt wird. Die Folgen lassen sich auch an den immer wieder rekordverdächtig niedrigen Pegelständen von Flüssen wie dem Rhein ablesen, was Stromerzeugung und Binnenschifffahrt zunehmend herausfordert. Gleichzeitig gibt es Versuche, wichtige Messdaten besser zusammenzuführen – u.a. arbeiten mehrere Nationen an gemeinsamen Monitoring-Programmen, um die Entwicklung der Gletscher noch genauer zu verfolgen.