Wolfgang Große Entrup, der Hauptgeschäftsführer des VCI, bringt es ziemlich auf den Punkt: Für ihn ist die momentane Situation ein einziges Logistik-Durcheinander, weil in jedem Bundesland eigene Regeln beim Sonntagsfahrverbot gelten. 'So ein Flickenteppich ist für niemanden hilfreich', betonte er gegenüber dem Magazin Focus. Laut einer aktuellen VCI-Liste haben nur einige Bundesländer – darunter Bayern, Baden-Württemberg, Niedersachsen oder Rheinland-Pfalz – das Verbot temporär gelockert (Stand: 11. August). Hintergrund ist das anhaltende Niedrigwasser – etwa am Rhein – wodurch der Transport chemischer Grundstoffe wie Methanol, Benzol oder Ammoniak ins Stocken geraten könnte. Das bereitet der Branche Sorgen, denn wenn Binnenschiffe ihre Fracht nicht mehr transportieren können, könnte das ruckzuck gravierende Auswirkungen auf die Produktion haben. Große Entrup warnt da ganz offen: Aus einem reinen Transportproblem kann schnell ein Engpass in der Fabrik werden. Der VCI fordert deshalb nicht nur die deutschlandweite Liberalisierung beim Sonntagsfahrverbot, sondern will auch, dass künftig Not-Umladestellen geöffnet, das zulässige Höchstgewicht bei Lkw angehoben und dem Güterverkehr auf der Schiene Vorrang eingeräumt wird. Sogar die Schleusen und Kanalleitzentralen sollen kurzfristig rund um die Uhr arbeiten – das klingt nach Ausnahmezustand für die Logistik. Es ist ja auch nicht abwegig: Selbst Alltagschemikalien drohen plötzlich knapp zu werden, wenn die Lieferwege scheitern. Mal schauen, wie flexibel Bundesregierung und Länder wirklich sind.
Der VCI appelliert nachdrücklich an Bund und Länder, das Sonntagsfahrverbot für Lastwagen im Chemietransport zu lockern, da das aktuelle Niedrigwasser logistische Engpässe verursacht. Mittlerweile haben acht Länder das Fahrverbot vorübergehend aufgehoben, doch zahlreiche Bereiche bleiben betroffen. Aktuelle Recherchen zeigen, dass sich viele Unternehmen inzwischen teure und aufwendige Notlösungen suchen – unter anderem durch den verstärkten Einsatz von Lkw oder durch Umschlag auf den Schienenverkehr. In der Politik stößt die Forderung auf gemischte Reaktionen: Während einige Länder eine bundesweit abgestimmte Regelung unterstützen, warnen andere vor Sicherheitsrisiken und Signalwirkungen für Sonntagsruhe. Die Debatte bleibt daher weiter offen – und zeigt, wie klimatische Veränderungen und Infrastrukturprobleme die Industrien zunehmend unter Druck setzen.