Wenn man an Clowns denkt, flackern meist Erinnerungen an Kindertage auf: bunte Gestalten, manchmal zum Lachen, manchmal auch ein bisschen zum Fürchten. Doch dass professionelle Clownvisiten in Pflegeheimen nicht nur Heiterkeit schenken, sondern auch eine präventive Funktion für die psychische Gesundheit übernehmen, zeigt eine neue, von der AOK PLUS unterstützte Studie der Uni Flensburg eindrucksvoll. Drei Jahre lang, unter Leitung von Prof. Dr. Tabea Scheel und maßgeblich durchgeführt von Laura Korock, wurden in vier Pflegeeinrichtungen in Leipzig und Erfurt die Effekte dieser künstlerischen Intervention erforscht.
Ergebnis: Die regelmäßigen, individuell auf die Bewohner:innen zugeschnittenen Begegnungen der ROTE NASEN Clowns sorgten für messbar bessere Stimmung, verbesserten Schlaf und stärkten langfristig die Resilienz im Vergleich zur Vergleichsgruppe ohne Clownbesuche. Spannend: Auch bei jenen, die als besonders verletzlich galten, schlugen die Interventionen an. Die Erkenntnis, dass sogar depressive Verstimmungen eingedämmt werden können – wenn auch vielleicht nicht für immer, aber doch spürbar – hinterlässt Eindruck. Irgendwo dazwischen bleibt aber stets ein kleiner Zweifel, ob Lachen wirklich heilen kann. Doch Zahlen und Geschichten sprechen eindeutig dafür.
Die Studie wurde am 29. Juni 2026 in BMC Geriatrics veröffentlicht: „Clowning in care: long-term effectiveness of clown visits on residents' affect resilience, sleep quality and functionality“ (DOI: 10.1186/s12877-026-07874-0). Die ROTE NASEN-Clowns bringen übrigens jedes Jahr fast 96.000 Menschen Freude, und das ganz ohne kommerzielle Hintergedanken – allein getragen von Spenden und viel Engagement. Vielleicht ist das wertvoller, als man ahnt.
Übrigens: Ich erinnere mich an meinen eigenen Großvater, der in seinen letzten Jahren in einem Pflegeheim lebte. An den Tagen, an denen etwas Unerwartetes passierte – manchmal war’s ein Musikant, manchmal hing nur ein besonders bunter Luftballon im Flur –, wirkte er jedes Mal wacher, offener. Vielleicht gibt es sie doch, diese kleinen Zaubertricks gegen die Schwere des Alltags.
Die Flensburger Studie in Zusammenarbeit mit ROTE NASEN Deutschland e.V. zeigt über einen Zeitraum von drei Jahren, dass Clownbesuche im Pflegealltag nicht nur kurzfristige Stimmungsaufheller sind, sondern langfristig die emotionale Widerstandsfähigkeit (Resilienz) und die Schlafqualität von Bewohner:innen in Pflegeeinrichtungen verbessern können. Besonders bemerkenswert ist, dass vor allem auch vulnerable, oftmals emotional schwer erreichbare Menschen profitieren und depressive Symptome sowie der Abbau von Resilienz in der Interventionsgruppe deutlich langsamer voranschreiten. Die Veröffentlichung im renommierten Fachjournal unterstreicht die Bedeutung von kreativen, individuellen Ansätzen in der Pflege. Aktuelle Recherchen zeigen, dass in mehreren Ländern ähnliche Initiativen unter wissenschaftlicher Begleitung laufen und Clowninterventionen mehr Aufmerksamkeit bekommen; gerade angesichts wachsender Einsamkeit in Heimen werden solche Programme europaweit als vielversprechende Präventionsstrategie diskutiert. Zeitgleich berichten Medien wie Spiegel und Zeit verstärkt über psychosoziale Pflegeangebote und die Rolle von Humor für die Gesundheit insbesondere alter Menschen – deutliche Indizien für einen gesellschaftlichen Trend hin zu mehr Menschlichkeit und kreativer Betreuung im Alter.