Man könnte versucht sein, die leichte Umsatzsteigerung des deutschen Mittelstands im Juni als Wendepunkt zu feiern – doch der DATEV-Mittelstandsindex rückt die Dinge ins rechte Licht. Ausgerechnet Robert Mayr, Vorstands-Chef der Genossenschaft, mahnt zur Nüchternheit: Ein Strohfeuer sei keine Trendumkehr. Zwar stagnierten die Umsätze nicht mehr auf Tauchstation wie im Mai, aber von nachhaltiger Erholung keine Spur. Dagegen stemmen sich steigende Lohnkosten, die mit satten 6,3 Prozent Zuwachs einen immer größeren Brocken am ohnehin schmalen Gewinnpolster nagen. Das Verhältnis von Einnahmen zu Ausgaben – es spreizt sich weiter wie eine überdehnte Gummischnur. Auch bei den Beschäftigtenzahlen ein müdes Bild: ein kleiner (wenngleich symbolträchtiger) Rückgang um 0,1 Prozent, der einen schleichenden Arbeitsplatzabbau seit Jahresbeginn festschreibt. DATEV wertet zu diesem Zweck die Umsatzsteuervoranmeldungen von gut einer Million Betrieben und bezieht Lohn- und Gehaltsdaten von acht Millionen Beschäftigten ein. Die daraus abgeleiteten Daten gelten insbesondere, weil sie Einblicke mit gewissem Frühwarncharakter liefern – meist schneller als die offiziellen Statistiken. Kriegt der Mittelstand, das vielbemühte Rückgrat der deutschen Wirtschaft, bald den Rückenwind, den er braucht? Noch scheint da eher eine steife Brise von vorne zu blasen.
Dass der Mittelstand einen Umsatzsprung von 2,7 Prozent geschafft hat, wirkt kurzfristig wie eine gute Nachricht, verliert aber schnell an Glanz angesichts der anhaltenden Herausforderungen: Die schnellen Lohnerhöhungen fressen die Mehreinnahmen fast direkt wieder auf. Laut DATEV handelt es sich bei der aktuellen Entwicklung um eher taktische Stabilisierung als um einen langfristigen Wachstumsschub; die Zahl der Beschäftigten sinkt zudem weiter und drückt auf die Stimmung. Ergänzend dazu berichten Medien wie das Handelsblatt und die Tagesschau in den letzten Tagen, dass vor allem die schwachen Exportzahlen und der Konsumzurückhaltung zusätzliche Unsicherheiten mit sich bringen – viele Unternehmen im Mittelstand suchen weiterhin händeringend nach Perspektiven und drehen meist nur kleinere Stellschrauben, anstatt zu expandieren.