Manchmal wirken politische Beschlüsse wie kalte Rechenübungen, ohne Anteilnahme für die, die betroffen sind. So kommt mir das Vorhaben der Alterssicherungskommission vor, die Blockaltersteilzeit zu streichen. Und jetzt auch noch eine gesetzliche Lockerung bei sachgrundlosen Befristungen – ein ‚kleiner‘ Beschluss aus dem Koalitionsausschuss Anfang Juli. Yasmin Fahimi, die DGB-Vorsitzende, machte in Interviews mit den Zeitungen der „Neuen Berliner Redaktionsgesellschaft“ deutlich, wie sehr sie das beunruhigt. Sie sieht darin eine handfeste Gefahr für die Arbeitswelt der Jüngeren: 'Das ist nicht bloß Verwaltungssprache, das ist eine Abstiegsspirale für junge Beschäftigte.' Für viele Betriebe war die Blockaltersteilzeit bislang ein Werkzeug, Kündigungen sanfter zu gestalten – immerhin konnten sich Ältere damit in Richtung Ruhestand hangeln, ohne dass es mit einem Schlag abwärts ging. Wenn jetzt das Streiten um Sozialpläne die einzige Option bleibt, landen oft ausgerechnet die Jüngeren als Erste draußen. Fahimi windet sich im Gespräch: 'Die letzten, die rein kamen – das sind meist die jungen Leute.' Noch mehr Unbehagen bereitet ihr die Idee, sachgrundlose Befristungen zu erleichtern. Vier Jahre auf Probe, nüchtern betrachtet. Was das im Alltag bedeutet? Keine Sicherheit, keine Planbarkeit – weder beim Vertragsabschluss für eine Wohnung noch ganz zu schweigen von Bankkrediten etwa fürs Eigenheim. Wer will so leben? Ich persönlich halte es für ein fatales Signal an die junge Generation – wieder wird die Perspektive brüchig, die Unsicherheit wächst.
Yasmin Fahimi, Chefin des DGB, sorgt sich, dass die Abschaffung der Blockaltersteilzeit – wie von der Alterssicherungskommission vorgeschlagen – und das erleichterte Befristen von Arbeitsverträgen, wie es der Koalitionsausschuss beschloss, die prekäre Lage junger Beschäftigter verstärken könnte. In letzter Zeit gibt es vermehrte Kritik an Regierungsplänen, die scheinbar Flexibilität erhöhen, aber Unsicherheit für Berufsanfänger fördern. Neuere Analysen zeigen, dass junge Arbeitnehmer gerade im Hinblick auf Lebensplanung und Kreditwürdigkeit stark unter befristeten Verträgen und fehlender Planungssicherheit leiden. Laut einer aktuellen Umfrage unter Berufseinsteigern fühlen sich über die Hälfte durch die Vielzahl befristeter Jobs in ihrer Lebensplanung eingeschränkt. Auch in der Politik wächst der Druck, die Situation zu überdenken: Grüne und Linke sprechen sich gegen längere Befristungszeiträume aus, während Teile der Wirtschaft flexible Beschäftigungsbedingungen begrüßen. Bundesarbeitsminister Heil hat angekündigt, dass das Thema vor der Sommerpause im Bundestag debattiert wird.