Fran Lebowitz: Die USA 25 Jahre nach 9/11 – Ein Land im Bann der Angst

Die New Yorker Autorin Fran Lebowitz zieht ein schonungsloses Fazit: Ein Vierteljahrhundert nach den Anschlägen des 11. September 2001 sieht sie ihr Land dauerhaft durch Angst, überbordende Überwachung und einen aggressiver auftretenden Sicherheitsapparat geprägt. Besonders beklemmend empfindet sie die Machtfülle und das Verhalten staatlicher Behörden im eigenen Land.

heute 12:13 Uhr | 3 mal gelesen

Fran Lebowitz, eine ebenso knorrige wie unbestechliche Stimme New Yorks, blickt auf die Vereinigten Staaten – und sieht nach 25 Jahren eine fast unheimliche Verwandlung. Nichts sei geblieben wie zuvor. Sie spricht es offen aus: Angst ist allgegenwärtig, und sie prägt, wie wir denken, handeln, entscheiden.

Die neue Normalität: Leben mit der Angst

Nach Lebowitz' Ansicht ist aus dem Schock von 9/11 eine kollektive Unsicherheit entstanden, die bis heute anhält – eigentümlich greifbar, auch bei Menschen, die die Anschläge nicht selbst erlebt haben. Sie behauptet: „Wir sind ein verängstigtes Volk geworden.“ Für sie dreht sich der Wandel weniger um äußere Tatsachen als um das verschwommene Gefühl, das seitdem über allem schwebt. Merkwürdig, wie Angst auch ohne konkreten Anlass steckenbleibt – ein bisschen wie ein Nebel, den man nicht loswird.

Sicherheitswahn und staatliches Misstrauen

Nach dem 11. September, schildert Lebowitz, habe sich der Staat eine nie dagewesene Machtfülle angeeignet: Überwachung überall, keine Nische scheint mehr privat. Buchläden – abhören. Öffentlicher Nahverkehr – Taschenkontrollen. Wo früher Misstrauen galt, ist heute Routine. Was fast ironisch wirkt: Die Bevölkerung hat’s zähneknirschend hingenommen, überwältigt vom Drang nach Schutz und Klarheit, die nie ganz kamen.

Regierung als größte Bedrohung?

Lebowitz, die in ihrem Leben so ziemlich alles Mögliche gesehen hat, betont: Weniger die Angst vor dem Terror, sondern vor der eigenen Regierung erschüttere sie. Die Panzer auf den Straßen New Yorks, das martialische Auftreten auch späterer Behörden wie ICE, erschrecken sie mehr als jede vage Bedrohung von außen. „Am meisten Angst habe ich vor dem, wie unser Staat reagiert“, sagt sie. Ein Gedanke, der nach innen rattert.

Amerika und sein Selbstbild: Wer ist hier das Böse?

Früher – und man spürt ein wenig Wehmut – galt in den USA: Nur die Tyrannenstaaten bespitzeln ihre Bürger. Heute, so Lebowitz, schwingt darin ein Hauch von Selbstanklage mit. Sie stört die Sorglosigkeit, mit der tiefgreifende Eingriffe im Namen der Terrorbekämpfung akzeptiert werden. Terror bleibt schrecklich, aber noch beängstigender findet sie, dass Furcht vor Terror quasi Teil des amerikanischen Alltags geworden ist.

Die Ironie des Fortschritts: Kontrolle und permanente Unsicherheit

Interessanterweise, sinniert Lebowitz, hat sich mit der Ausweitung polizeilicher und staatlicher Kompetenzen keine tatsächliche Sicherheit eingestellt. Die Übermacht von ICE und anderen Sicherheitsorganen ist zur Chiffre geworden – nicht nur für Migrationspolitik, sondern für ein Lebensgefühl, das von Einschüchterung und Kontrolle geprägt ist. Ihre Botschaft hallt scharf: Der Geist des Ausnahmezustands droht, Dauergast zu werden.

Was Deutschland daraus machen kann

Für hiesige Leser könnte Lebowitz‘ Haltung bekannt klingen – auch in Europa hat jeder Terrorakt tiefe Narben hinterlassen und das Verhältnis von Freiheit und Kontrolle neu verhandeln lassen. Ihr nüchterner Blick warnt: Die politischen Antworten auf Gewalt können eine Gesellschaft noch tiefer verändern als der ursprüngliche Schrecken selbst. Vielleicht ist das die eigentliche, manchmal übersehene Lehre des 11. Septembers.

Zentrale Gedanken Lebowitz'

Fran Lebowitz beobachtet eine US-Gesellschaft, die seit 9/11 unter einem Dauerzustand von Unsicherheit und Überwachung lebt. Für sie ist weniger die konkrete Bedrohung durch Terror entscheidend, sondern wie tiefgreifend die Reaktion des Staates das Alltagsleben geformt hat – bis hin zu offenen polizeilichen Eingriffen und einer neuen Art von innerer Bedrohung.

Neue Stimmen und Ergänzungen aus aktuellen Recherchen (Stand: heute)

Wie aktuelle Analysen (u. a. Süddeutsche Zeitung, ZEIT Online, FAZ) zeigen, beschäftigen sich viele US-amerikanische Debatten seit Anfang 2024 mit der wachsenden Rolle der Überwachung – insbesondere technologische Neuerungen wie Gesichtserkennung, KI-gestützte Kontrollsysteme und der Einsatz von Big Data. Während einige Sicherheitsexperten darin einen effektiven Schutz vor neuen Gefahren sehen, wächst die Sorge vor einem ausufernden Kontrollstaat, wie sie auch Lebowitz anspricht.

Es tauchen zudem vermehrt Stimmen auf, die – ähnlich wie Lebowitz – die Verschärfung von Einwanderungsgesetzen kritisieren und darin einen gefährlichen Präzedenzfall für andere Demokratien sehen. Nicht zuletzt verweist die jüngste Berichterstattung auf die gesellschaftliche Spaltung in den USA: Die Angst, der Verlust an Vertrauen und die Bereitschaft, Freiheiten zugunsten vermeintlicher Sicherheit einzuschränken, zeigen sich heute immer noch deutlich in Politik und Alltag.

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