Stromnetz-Sicherheit: Amprion-Chef plädiert für Lockerung der Vorschriften zum Schutz kritischer Anlagen

Christoph Müller, Vorstandschef des Netzbetreibers Amprion, fordert nach jüngsten Attacken auf Stromstationen mehr Spielraum, um empfindliche Anlagen wie Umspannwerke wirksamer abzusichern – und nimmt dabei auch Datenschutzvorgaben ins Visier.

heute 09:13 Uhr | 3 mal gelesen

Eigentlich klingt es fast absurd: Hochmoderne, zentrale Infrastrukturen, die das ganze Land am Laufen halten, sind inzwischen Angriffsziel für Saboteure. Genau deshalb hat Christoph Müller, Chef von Amprion, jetzt ein Thema öffentlich gemacht, das vielen Betreibern wohl auf den Nägeln brennt.

Angriffspotenzial durch Transparenz

Müller erklärt, dass die derzeitigen Transparenzpflichten es potenziellen Angreifern zu einfach machen. Warum überhaupt öffentlich machen, wo die technischen Schwachstellen oder exakte Standorte sind? Die offenen Daten, so Müller, sind ein gefundenes Fressen – der Spagat zwischen Offenheit und Sabotageschutz bleibt schwierig.

Technische Lösungen oder Kontrollwahn?

Die Forderungen sind klar: mehr Drohneneinsätze, intensivere Videoüberwachung. Aber auch das ist so eine Sache – aktuell ist etwa der Einsatz von Drohnen nur extrem eingeschränkt erlaubt. Videoüberwachung wiederum bleibt meist aufs Werksgelände beschränkt, was in abgelegenen Gegenden merkwürdig anmutet: Auf einer grünen Wiese ein Hochspannungsmast, dahinter aber rechtliche Mauern für Kameraaugen.

Ständige Abwehrbereitschaft

Amprion betreibt rund 180 Umspannstationen quer durchs Land. Bei den letzten Übergriffen – unter anderem in Bergheim und Dormagen – wurde deutlich, wie angreifbar verteilt liegende Anlagen sind. Einen gewissen Schutz gibt es, sicher – aber einen absoluten eben nicht. Müller räumt das auch offen ein. Seine Teams sind schnell am Ort, aber bei so vielen Standorten kann niemand überall sein.

Schwankender Mittelweg zwischen Überwachung und Datenschutz

Das Problem bliebe selbst dann virulent, betont Müller, wenn nun schärfere oder gelockerte Regeln kommen: Wird der Schutz verstärkt, wird zwangsläufig die Diskussion um Freiheitsrechte, Datenschutz und staatliche Kontrolle wieder lauter auflodern. Es bleibt ein ewiges Abwägen zwischen effektivem Schutz und persönlicher Sphäre – ein Zielkonflikt, der sich gerade in Netzfragen, wo sich Stromlinien digital mit neuen Risiken verweben, zuspitzt.

Konsequenzen: Der nächste Schritt?

Werden die gesetzlichen Rahmenbedingungen tatsächlich angepasst, könnten Netzbetreiber proaktiver eingreifen, schneller reagieren und verdächtige Vorgänge besser erfassen. Allerdings müssten dann neue Maßstäbe geschaffen werden: Wo beginnt privater Raum, wo hört der Schutz kritischer Anlagen auf? Spannende Fragen, auf die die Politik so bald keine einfache Antwort haben wird.

Der Schutz kritischer Energieinfrastrukturen steht durch steigende Angriffe und Anforderungen an die Digitalisierung unter enormem Druck. Amprion-Chef Christoph Müller fordert, Transparenz- und Datenschutzregeln so zu modifizieren, dass effektiver Einsatz von Überwachungs- und Drohnentechnik in und um rund 180 Umspannwerke möglich wird. Während dessen suchte die Politik zuletzt – nach Berichten über Sabotage und Cyberangriffe – nach neuen Gesetzesinitiativen, um Netzbetreiber besser zu unterstützen. Laut Spiegel Online mehren sich branchenweit Stimmen, Krisenschutz müsse in der digitalisierten Energiewelt an Tempo und Gewicht gewinnen. Zeitgleich berichtete ZEIT ONLINE, dass Bundesinnenministerin Nancy Faeser Maßnahmen für mehr Zusammenarbeit zwischen Sicherheitsbehörden und Versorgern anstrebt. Und laut Süddeutsche Zeitung diskutieren Experten, ob bei Angriffen aus dem Inland andere Standards und Handlungsspielräume notwendig wären als bei bekannten internationalen Cyberattacken.

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