Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) hat für eine aktuelle Erhebung zahlreiche Unternehmensleiter nach ihrer Einschätzung der demokratischen Lage in Deutschland befragt. Überraschend: Ausgerechnet im Osten ist die Sorge um den Zustand unserer Demokratie mit rund 60 Prozent höher als im Westen, wo sich knapp 55 Prozent der Chefs ähnlich besorgt zeigen. Trotzdem halten sich ostdeutsche Unternehmen auffällig zurück, was öffentliches Engagement betrifft – vielleicht aus Furcht vor möglichen Nachteilen oder einfach, weil das demokratische Selbstverständnis dort mit anderen Erfahrungen zusammenhängt. Im Westen findet sich hingegen fast zwei Drittel der Befragten, die der Meinung sind, dass Unternehmen Verantwortung für das Gemeinwohl übernehmen sollten. In Ostdeutschland glaubt das nicht einmal die Hälfte. Als Gründe fürs Schweigen werden oftmals die Angst vor Boykotten, Shitstorms oder gar Konflikten innerhalb der Belegschaft genannt – offenbar ist die Angst, mit politischen Statements alte und neue Gräben aufzureißen, besonders groß. Studienleiter Knut Bergmann weist darauf hin, dass gerade gegenüber der AfD viele Unternehmen im Osten zögerlicher auftreten, während sich westdeutsche Unternehmen öffentlicher positionieren. Die Befragung umfasste insgesamt 903 Unternehmen, davon 138 aus Ostdeutschland. Das alles erinnert ein wenig an einen Tanz auf rohen Eiern – heiß, knisternd, bloß nicht ins Falsche treten.
Die IW-Studie beleuchtet, dass ostdeutsche Unternehmen sich besonders um den Zustand der Demokratie sorgen, ihre Stimme jedoch selten erheben – wohl aus Angst vor wirtschaftlichen oder sozialen Folgen. Interessanterweise spiegelt sich diese Zurückhaltung auch darin, dass nur eine Minderheit die Meinung vertritt, Unternehmen müssten für demokratische Werte offensiv eintreten. Die Ergebnisse fügen sich in eine aktuelle Debatte ein, in der ostdeutsche Wirtschaftstreibende oft vor schwierigen strategischen Entscheidungen stehen – besonders im Umgang mit populistischen Parteien und gesellschaftlicher Polarisierung. Übrigens wurde in den letzten Tagen verstärkt über die politische Zurückhaltung vieler ostdeutscher Firmen berichtet – nicht zuletzt, weil die politische Stimmung vielerorts spürbar aufgeheizt ist und Wirtschaftsverbände einerseits zur Mäßigung, andererseits aber auch zu klaren Haltungen aufrufen. So warnen Experten, dass ein Wegducken langfristig das Vertrauen in die Wirtschaft schwächen könnte, während gleichzeitig der Wunsch nach gesellschaftlichem Zusammenhalt wächst. Gleichzeitig laufen politische Debatten rund um die anstehenden Landtagswahlen in Ostdeutschland heiß, wobei viele Unternehmen zwischen wirtschaftlicher Existenzangst und gesellschaftlicher Verantwortung abwägen.