Nadeschdin: Putins Rückhalt gerät ins Wanken

Boris Nadeschdin, ehemaliger Präsidentschaftskandidat und nun im französischen Exil, sieht keinerlei realistische Chance für die Antikriegsopposition in Russland – zumindest nicht auf legalem Weg.

16.08.26 18:18 Uhr | 2 mal gelesen

Nadeschdin erklärte gegenüber der 'Welt', dass die Möglichkeit für Antikriegsstimmen, in Russland überhaupt noch an Wahlen teilzunehmen, praktisch ausgelöscht sei. Dennoch wisse er aus eigener Erfahrung, dass Millionen im Land ein sofortiges Ende des Krieges herbeisehnen. Wer ihnen künftig politisch eine Stimme gibt? Das sei offen, aber dieser Wunsch existiere unter der Oberfläche weiter. Der frühere Duma-Abgeordnete, jüngst von Russland zum 'ausländischen Agenten' erklärt, sieht in den schwindenden Zustimmungswerten für Putin ein Warnzeichen: Bei autoritären Systemen sei die öffentliche Sympathie für den Machthaber zentral – sobald sie bröckelt, gerät das System in Turbulenzen. Nadeschdin betont, dass viele Russen gar nicht unbedingt für oder gegen den Krieg seien, sondern einfach erwarten, dass der Kreml Stabilität und Sicherheit liefert. Aber dieser jahrzehntealte Gesellschaftsvertrag komme ins Wanken, seit ukrainische Drohnen russische Städte erreichen. Mit Blick auf die Parlamentswahlen im September rechnet Nadeschdin damit, dass viele Menschen ihren Unmut zeigen werden. Die liberale Partei Jabloko darf nicht antreten; ehemalige Jabloko-Anhänger könnten nun entweder aus Protest ungültig wählen oder den 'Neuen Leuten' ihre Stimme geben – auch wenn diese Partei kaum für Frieden stehe, aber im Vergleich zu anderen noch am ehesten.

Nadeschdin berichtet aus dem Exil, dass es der russischen Opposition derzeit an jeglicher Perspektive fehlt, sich demokratisch und legal in den politischen Prozess einzubringen. Zwar ist die Ablehnung des Krieges in weiten Teilen der Bevölkerung zu spüren, doch der Kreml hat durch Repressionen und manipulative Diskreditierung oppositioneller Stimmen (wie Nadeschdins Ernennung zum 'ausländischen Agenten') jede Form von Antikriegsparteien aus dem politischen Raum verdrängt. Das Vertrauen in Putins Führung schwindet, insbesondere weil die versprochene Sicherheit und Wirtschaftsstabilität durch Drohnenangriffe und Sanktionen ins Wanken geraten sind. Laut aktuellen Recherchen gibt es Anzeichen, dass im Vorfeld der Duma-Wahl eine schon länger schwelende Protestbereitschaft wächst, während gleichzeitig die russische Führung weiterhin hart gegen kritische Stimmen vorgeht und unabhängige Kandidaturen systematisch unterbindet. Weltweit berichten Medien zudem von einer steigenden Zahl russischer Auswanderer und Dissidenten, die sich im Ausland organisieren, um den Kreml unter Druck zu setzen – gleichzeitig nimmt die Zensur in Russland erneut zu, etwa durch die Sperrung kritischer Websites und Verfolgung von Journalisten. Auch internationale Stimmen verweisen auf die paradoxe Lage: Während die öffentliche Kritik im Land erdrückt wird, finden regimekritische Ideen im Internet verstärkt anonymen oder ausländischen Widerhall.

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