Peter Bofinger: Die teure "Rente mit 63" gehört abgeschafft

Der bekannte Ökonom Peter Bofinger fordert lautstark das Aus für die abschlagsfreie "Rente mit 63". Seine Kritik: Die Regelung koste Milliarden, spalte die Gesellschaft und widerspreche der Gerechtigkeit zwischen Beitragszahlern und Rentnern.

heute 13:32 Uhr | 2 mal gelesen

Peter Bofinger, der in Rentenfragen einen durchaus eigenwilligen Blick pflegt, hält mit seiner Meinung selten hinterm Berg. Jetzt stellt er sich erneut gegen die "Rente mit 63" – und zwar mit Nachdruck.

Fehlanreiz für "Leistungsträger"?

Der Würzburger Wirtschaftsprofessor argumentiert: Wer länger arbeitet, wird schon heute durch eine höhere Rente belohnt. Die Sonderregel bringe also keinen echten Mehrwert, sondern gewähre langjährig Versicherten einen zweifelhaften Extrabonus – fast wie ein Passierschein fürs frühere Ausscheiden, für den andere blechen.

Man könnte meinen, da profitierten vor allem die Fleißigen. Bofinger aber widerspricht: Diese Prämie sei durch die Einzahlungen nicht wirklich gedeckt.

Kostentreiber für die Rentenkasse

Ausgerechnet die Beitragszahler – Arbeitnehmer und Unternehmen – zahlten den Preis: Der Topf werde leerer, die Lasten stiegen. Rund fünf bis zehn Milliarden Euro jährlich, rechnet Bofinger vor, koste der Erhalt der „Rente mit 63“ das System; mit dem Geld ließe sich auch so manch andere Baustelle der Gesellschaft bessern oder der Rentenbeitrag niedrig halten.

Bofingers Stimme: Sachlich und unbequem

Was nicht jeder weiß: Bofinger kennt sich mit der Materie aus wie kaum ein anderer. Er begleitete als "Wirtschaftsweiser" die Politik, arbeitete im Sachverständigenrat und saß sogar in der Rentenkommission der Bundesregierung – Erfahrungsgemisch, das seinen Einwürfen Gewicht verleiht.

Gerade jetzt, wo mit jedem Jahr mehr "Babyboomer" den Ruhestand antreten, rückt die Frage nach der Finanzierung der Renten ohnehin wieder ins Zentrum: Mehr Rentner, weniger Erwerbstätige, höhere Ausgaben – eine Rechnung, die nicht aufgeht, wenn solche Zusatzausgaben wie die "Rente mit 63" beibehalten werden.

SPD in der Zwickmühle

Für die SPD ist die Sache jedoch heikel. Die "Rente mit 63" gilt als ihr sozialpolitisches Markenzeichen und als Wahlgeschenk für wichtige Gruppen. Entsprechend groß sind die Widerstände in Teilen der Partei, Reformen überhaupt zuzulassen – vielleicht sogar, weil man weiß, wie rar politische Erfolge in Sachen Rente geworden sind.

Wenn der Preis für diesen Kurs jedoch zehn Milliarden Euro pro Jahr beträgt, ist die Frage berechtigt: Wo setzen wir Prioritäten? Schule, Pflege, Familienförderung oder eben der Extrabonus für eine bestimmte Rentnergruppe?

Was passiert als Nächstes?

Viel hängt davon ab, wie SPD und Koalitionspartner sich am Ende einigen – und welche Seiten der sozialpolitischen Balance sie stärker gewichten. Eine Abschaffung der „Rente mit 63“ wäre ein klares Zeichen, Kosten und Verteilungsgerechtigkeit wieder ernster zu nehmen. Ein Beibehalten verlagert den Druck auf andere Rentenquellen und könnte den Beitragssatz mittelfristig hochtreiben. Persönlich habe ich noch keine abschließende Meinung – aber klar ist: Ohne unbequeme Fragen zu stellen, kann das System nicht auf lange Sicht funktionieren.

Kernpunkte der Bofinger-Debatte

Bofinger kritisiert die "Rente mit 63" als teures, wenig zielgerichtetes Instrument, das kaum zu einer gerechteren Verteilung beiträgt. Er sieht durch den Bonus für frühere Renteneintritte Fehlanreize gesetzt, die das Rentensystem belasten und Beitragszahler sowie andere Rentnerinnen und Rentner benachteiligen. Die von ihm angesprochenen Milliardenlasten treffen vor allem in Zeiten des demografischen Umbruchs einen wunden Punkt: Die gesetzliche Rentenkasse steht ohnehin schon unter Druck, da immer mehr ältere Menschen im Ruhestand versorgt werden müssen – ein Missverhältnis, das sich in den kommenden Jahren weiter verschärfen dürfte.

Neue Entwicklungen und Reaktionen

Nach aktuellen Medienberichten wird der interne Widerstand gegen eine Abschaffung der "Rente mit 63" in der SPD weiter deutlich, auch weil Gewerkschaften und Rentnerverbände Druck machen. Gleichzeitig sind in diesem Frühjahr neue Zahlen öffentlich geworden, wonach die Kosten für das System auch durch das frühe Ausscheiden aus dem Berufsleben beständig steigen, was den Koalitionspartner FDP zu schärferen Reformforderungen motiviert. Zugleich steht im Raum, dass eine Absenkung der Rentenbeiträge ohne Reformen kaum mehr möglich ist, während Bundeszuschüsse nicht beliebig ausgedehnt werden können.

Zusätzliche Perspektiven

Ein Vergleich mit anderen EU-Ländern zeigt, dass Deutschland mit seinen Rentenregeln bereits großzügig ist. Einige Ökonomen schlagen stattdessen flexible Rentenmodelle und Anreize zum Weiterarbeiten vor, um die nachhaltige Finanzierbarkeit sicherzustellen. Auch werden in der laufenden rentenpolitischen Debatte immer wieder innovative Ansätze diskutiert, etwa die Integration selbstständiger Erwerbstätiger in die gesetzliche Rentenversicherung oder eine stärkere Kapitaldeckung.

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