Der Verkehrsminister sei ferner in der Pflicht, für eine wirklich ausgewogene Finanzierung und faire Regeln im Konkurrenzkampf zwischen Straße und Schiene zu sorgen. Noch immer, meint Naumann, gebe es hier deutliche Nachteile für die Bahn – ganz konkret bei so scheinbar banalen Dingen wie Baumabständen an Autobahnen und Bahnlinien oder den unterschiedlichen Förderbedingungen für Verkehrswegeprojekte.
Naumann sieht auch einen Reformbedarf bei den Strukturen innerhalb der Deutschen Bahn, die die Pünktlichkeit ausbremsen. Und: Bei kleineren, nicht bundeseigenen Bahngesellschaften funktioniere oft manches besser, weil sie weniger bürokratisch organisiert seien. Auch das Eisenbahn-Bundesamt sollte auf den Prüfstand. Am Ende bringt es Naumann auf den Punkt: Ohne politischen Druck auf die Bahn geht es nicht – nur muss die Politik dabei auch endlich liefern.
Karl-Peter Naumann stellt klar, dass die geplanten Boni-Regelungen für Bahnmanager nur ein Baustein sind, um nachhaltigen Wandel bei der Deutschen Bahn zu erreichen. Um echte Verbesserungen zu erzielen, fordert er konsequente, von staatlicher Seite klar definierte Ziele sowie mehr und zielgerichteteres Geld – und vor allem deren transparente Nutzung. Die Probleme der Deutschen Bahn reichen dabei von infrastrukturellen Ungleichbehandlungen gegenüber dem Straßenverkehr bis hin zu überholten internen Strukturen; vergleichsweise agile nichtbundeseigene Bahnen zeigen, dass es auch weniger bürokratisch funktionieren kann. Ergänzend dazu wird in aktuellen Medien auch über die Debatte rund um die Aufteilung der Bahn und die wiederkehrende Forderung nach einer Trennung von Netz und Betrieb berichtet. Die Diskussion ist besonders vor dem Hintergrund des desolaten Zustands des deutschen Schienennetzes und immer neuer Milliarden-Investitionen hochaktuell. Ebenso finden sich Berichte über die neue Zielvereinbarung zwischen Bund und Bahn zum Infrastruktur-Ausbau, über geplante Tarifänderungen im Nahverkehr sowie die angekündigten Sanierungen wichtiger Bahnstrecken, die in den kommenden Jahren viele Fahrgäste betreffen werden.