Stillstand im deutschen Mittelstand: Investitionen auf Rekordtief

So niedrig wie jetzt haben deutsche Mittelständler seit Jahrzehnten nicht mehr investiert. Ursachen und Sorgen stapeln sich – mit Kettenreaktionen für den Standort.

13.07.26 10:28 Uhr | 25 mal gelesen

Dass beim deutschen Mittelstand aktuell eine nie gekannte Zurückhaltung bei Investitionen herrscht, lässt aufhorchen. Nach Erhebungen, die Handelsblatt unter Verweis auf eine Befragung durch DZ Bank sowie den Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) aufführt, planen nur noch etwa die Hälfte der befragten Unternehmen, in den kommenden sechs Monaten Geld in den eigenen Betrieb zu stecken. Das ist nicht weniger als ein historisches Tief seit Beginn der regelmäßigen Umfragen im Jahr 1995. Zum Vergleich: Selbst während der Finanzkrise 2008/2009, dem Corona-Schock 2020 oder direkt nach Beginn des Ukrainekriegs 2022 war der Investitionswille höher. Vielleicht ist das ein Anzeichen allgemeiner Erschöpfung oder einfach ein deutliches Zeichen für den Ernst der Lage. Die gelisteten Gründe klingen altbekannt und gleichzeitig besorgniserregend: Schwache Nachfrage, explodierende Kosten – insbesondere im Energiebereich – und die unberechenbaren Unwägbarkeiten der Weltpolitik. Geopolitische Unsicherheiten wie der Iran-Konflikt tun ihr Übriges. Bemerkenswert: Ein Drittel der Unternehmen klagt wieder über Probleme bei Lieferketten, ein Anstieg gegenüber dem letzten Herbst. Stefan Beismann von der DZ Bank gibt offen zu: Die Unsicherheit sitzt tief. Was Unternehmen überhaupt investieren, fließt fast ausschließlich in die Stabilisierung des Bestehenden, seltener in Expansion oder Innovation. Mit Blick auf die Zukunft ist das wie ein Warnschuss: Bleibt das so, droht dem Standort Deutschland eine weitere Abschwächung der Wettbewerbsfähigkeit. Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass der Mittelstand in einer Art Schockstarre verharrt, aus der allein Mut und Zuversicht, aber vermutlich auch politische Impulse helfen könnten.

Der Investitionswille im deutschen Mittelstand ist laut aktueller Umfrage von DZ Bank und BVR auf den historisch niedrigsten Stand gefallen – aktuell planen nur noch 52% der Unternehmen für die nächsten sechs Monate mit Investitionen. Hauptgründe für diese Zurückhaltung sind schwache Nachfrage, steigende Energiepreise und geopolitische Unsicherheiten, etwa durch den Konflikt im Nahen Osten, wobei besonders die steigenden Energiekosten in den letzten Monaten ins Gewicht fallen. Die Folge ist, dass Unternehmen verstärkt auf Bewahrung statt Innovation oder Wachstum setzen, was die Wettbewerbsfähigkeit des deutschen Wirtschaftsstandorts weiter gefährden könnte. Zusätzlich wurde in aktuellen Berichten anderer Medien verstärkt kritisiert, dass bürokratische Hürden, fehlende Planungssicherheit bei der Energieversorgung und eine schleppende Digitalisierung die Investitionsneigung weiter dämpfen. Gerade in Bezug auf die Transformation Richtung Klimaneutralität sind viele Mittelständler verunsichert, ob sich Investitionen in neue Technologien überhaupt noch rechnen. Staatliche Impulse oder Förderprogramme werden oft als zu zögerlich oder kompliziert beschrieben; Rufe nach einer entschlosseneren Industriepolitik werden lauter. Auch laut den neuesten Statements führender Wirtschaftsverbände steht der Mittelstand „am Scheideweg“, da dringend notwendige Modernisierungen drohen aufgeschoben oder gar unterlassen zu werden.

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