TKMS plant spanische Kooperation beim U-Boot-Bau
Oliver Burkhard, Vorstandsvorsitzender des Marineschiffbauers TKMS, plädiert für eine engere europäische Zusammenarbeit auf den Werften. Für ihn steht fest: „Kräfte bündeln, Tempo machen – und technologisch am Ball bleiben“, wie er im Gespräch mit dem Handelsblatt herausstellt.
heute 07:34 Uhr | 3 mal gelesen
Burkhard denkt groß: Ein bloßes loses Netzwerk reicht ihm längst nicht mehr. Seiner Ansicht nach müssten Werften in Europa verstärkt institutionalisiert gemeinsame Sache machen – quasi so etwas wie ein „Seabus“, ein maritimes Pendant zum Luftfahrt-Giganten Airbus. Es sei längst Zeit, dass etwaige partnerschaftliche Gelegenheiten durch eine festere Bindung ersetzt würden.
Schon jetzt pflegt TKMS eine strategische Beziehung mit der spanischen Navantia. Es geht darum, bei neuen Aufträgen auch Fertigungsschritte nach Spanien zu geben – sofern das die Kunden am Ende mittragen. "Vielleicht sind wir mit Navantia Vorreiter, und vielleicht gesellen sich künftig noch mehr europäische Unternehmen zu unserem Projekt", erklärt Burkhard, der das Unternehmen seit Mai 2022 leitet.
In Sachen Geschäfte zeigen sich international positive Vorzeichen: Nach einem umfangreichen U-Boot-Deal mit Kanada winkt wohl bereits das nächste Großprojekt in Indien. Zwar spüre das Land die Konsequenzen der aktuellen Krise um den Iran wirtschaftlich, doch nach bisherigen Informationen sei das Budget für die geplanten sechs U-Boote dort bereits freigegeben. Burkhard gibt sich optimistisch, dass bis Jahresende die Verträge unterzeichnet würden – mit einer optionalen Ausweitung auf sogar neun Boote insgesamt.
Und was den Aktienkurs von TKMS angeht? Der Vorstandschef ist trotz jüngster Schwankungen nicht unzufrieden. Achtzig Euro seien durchaus „ein Grund zur Zufriedenheit“, auch wenn man noch nicht an alte Spitzenwerte heranreiche. Offenbar agierten manche Aktionäre derzeit kurzfristig – Rendite vor Zukunft, wie Burkhard kritisch anmerkt.
TKMS-Chef Oliver Burkhard fordert, die zerstreute Werftenlandschaft Europas in eine feste, schlagkräftige Allianz zusammenzuführen, um den internationalen Wettbewerb nicht aus den Augen zu verlieren. Insbesondere die Kooperation mit Spaniens Navantia steht hier als möglicher Startpunkt für eine dauerhafte paneuropäische Schiffbau-Gemeinschaft im Fokus. Zudem setzt TKMS stark auf weitere internationale Großaufträge – besonders Indien und Kanada stehen aktuell auf der Agenda, wobei die Genehmigung für neue indische U-Boote als gesichert gilt.
Nach Recherche aktueller Nachrichten: Die europäische Rüstungsindustrie erlebt angesichts geopolitischer Spannungen derzeit eine neue Welle der Zusammenarbeit – viele Regierungen verstärken ihre Investitionen in Sicherheits- und Verteidigungsprojekte, um unabhängiger von außereuropäischen Akteuren zu werden. Auch das indische U-Boot-Projekt ist Teil des weltweiten Trends zur Modernisierung und Diversifizierung militärischer Kapazitäten – in Indien laufen derzeit mehrere Projekte mit deutschen und französischen Partnern. Gleichzeitig warnt die Industrie, dass technische Fachkräfte und stabile Lieferketten zunehmend knapp werden – der deutsch-spanische Schulterschluss ist ein Versuch, diesen Herausforderungen mit gebündelten Ressourcen zu begegnen.