Tropische Nächte: Unerträgliche Temperaturen in Pflegeheimen

Pflegekräfte schlagen Alarm: In Deutschlands Pflegeheimen wird die Hitze zur tödlichen Gefahr – und bestehende Arbeitsschutzregeln greifen nur selten.

heute 01:02 Uhr | 1 mal gelesen

Es klingt fast wie ein schlechter Witz, wäre das Thema nicht so ernst: Pflegekräfte in deutschen Heimen schwitzen nicht nur, sie schlagen förmlich Alarm – und das zu Recht. Eine Umfrage der Gewerkschaft Verdi unter 321 Angestellten aus Pflegeeinrichtungen, veröffentlicht von der Funke-Mediengruppe, hat anhand von 801 Temperaturmessungen im Zeitraum Ende Juli bis Anfang August erschreckende Zahlen zutage gefördert. Spitzenwerte von bis zu 45 Grad, durchgehend hohe Mediantemperaturen (nachts bis 26 Grad, tagsüber meist zwischen 28 und 30 Grad) bringen gesetzliche Schutzvorgaben schlicht an ihre Grenzen. Was bedeutet das für den Alltag? Laut Arbeitsschutz ist ab 30 Grad eine Gegenmaßnahme Pflicht, ab 35 Grad darf nicht mehr regulär gearbeitet werden. Jede zweite befragte Fachkraft meldete Werte über 30 Grad, und immerhin jeder achte erfasste Temperaturen über 35 Grad. Belastung? Die Befragten nannten im Mittel eine Belastung von 8,2 auf einer Zehnerskala – für viele war es praktisch die Maximalstufe. Das ist nicht einfach unangenehm, sondern kann – so bedrückend es klingt – lebensgefährlich werden. 11 Prozent berichteten von Kreislaufzusammenbrüchen bei Bewohnern, ähnlich viele sprachen von Dehydrierung. In knapp jedem zehnten Fall vermutete das Personal sogar, dass Todesfälle auf die Hitze zurückgingen. Sylvia Bühler von Verdi fordert daher: Bund und Länder müssen den Hitzeschutz in Pflegeheimen endlich auf Vordermann bringen, energetische Sanierung vorantreiben und für spürbare finanzielle Entlastungen sorgen. Nebenbei: Das knappe Personal kollabiert in Hitzephasen endgültig, weil Ausfälle steigen und Schutzmaßnahmen einfach zusätzliche Zeit kosten. Es sei skandalös, dass oft nachts eine Fachkraft auf über 100 Bewohner kommt – vernünftige Pflege ist da schlicht illusorisch. Die öffentliche Debatte, so Bühler, müsse jetzt zur überfälligen Pflegereform werden.

Die enorme Sommerhitze legt schonungslos die Missstände in deutschen Pflegeheimen offen: Temperaturen von bis zu 45 Grad wurden gemessen, viele Pflegekräfte empfinden die Belastung als extrem, und es kam zu häufigen Kreislaufproblemen, Dehydrierung und sogar zu mutmaßlich hitzebedingten Todesfällen. Die gesetzlichen Vorgaben zum Arbeitsschutz werden vielfach missachtet, oder sie reichen schlichtweg nicht mehr aus, um Bewohner und Personal wirksam zu schützen. Organisationen wie Verdi fordern daher ein umfassendes Pandemie- und Hitzeschutzprogramm, energetische Sanierungen sowie eine dringend notwendige Reform der Personalvorgaben und der Pflegeversicherung, um sowohl Personalnot als auch finanzielle Überforderung der Heimbewohner zu bekämpfen. Neuere Artikel und Streifzüge durch verschiedene Presseportale zeigen außerdem, dass Bundes- und Landesregierungen bisher kaum konkrete Sofortmaßnahmen aufgesetzt haben, obwohl Experten seit Jahren eine wachsende Gefahrenlage prognostizieren. Verbesserte technische Lösungen wie fest installierte Klimaanlagen scheitern oft an Finanzierungshürden oder fehlenden gesetzlichen Vorgaben, und die gesundheitlichen Risiken besonders für ältere Menschen nehmen jährlich zu.

Schlagwort aus diesem Artikel