Windenergie im Gegenwind: Verband warnt vor stockender Energiewende

Die Lobbychefin der Windbranche, Bärbel Heidebroek, meldet sich mit scharfer Kritik an den geplanten Gesetzesänderungen der Ampel-Regierung zu Wort – und fürchtet gravierende Folgen.

vor 59 Minuten | 3 mal gelesen

Bärbel Heidebroek, ihres Zeichens Präsidentin des Bundesverbands Windenergie, schlägt Alarm: Die neuen Reformen, die demnächst durchgedrückt werden sollen, drohen nach ihrer Einschätzung buchstäblich den Stecker bei der Windkraft zu ziehen. Besonders ärgert sie sich über eine Klausel, die Regionen mit ohnehin schon vielen Windrädern und Solarfeldern betrifft. Dort, wo jetzt schon oft der Netzanschluss wegen Überlastung der Strominfrastruktur angepasst wird, sollen neue Betreiber künftig auf Entschädigungen verzichten, wenn ihre Anlagen notgedrungen vom Netz genommen werden. Ergebnis laut Heidebroek: ein Fünftel weniger Einnahmen – pauschal.

Dieser massive Einschnitt sei kaum zu verkraften. Der Konkurrenzdruck in der Windenergie sei eh schon brutal. Erste Tendenzen zu Arbeitsplatzabbau? Schon im Gange. Und das könne sich noch verschärfen, prophezeit Heidebroek. Auch Turbinenbauer und verwandte Betriebe könnten bluten – ein Dominoeffekt, der am Ende, so fürchtet sie, vor allem chinesischen Unternehmen die Tür nach Deutschland aufstößt. "Will denn wirklich jemand, dass sich die deutsche Windenergie genauso ausblutet wie einst die Solarbranche, wo am Schluss alles aus China kam?", fragt sie mit sichtbarem Unmut.

Das Gesetzespaket, um das es geht, schraubt am Erneuerbare-Energien-Gesetz und will die Spielregeln für Netzbetreiber kräftig umkrempeln. Verabschiedet wurde das Ganze schon vor ein paar Tagen im Kabinett. Aber Heidebroek wirft Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche eine extreme Schlagseite zugunsten der Netzfirmen vor. Während Ökostromproduzenten neue Lasten tragen sollen, kommen die Netzbetreiber nach Ansicht des Verbands zu glimpflich davon. "Das ist im Prinzip ein Gesetz für Netzbetreiber – und gegen die Windbranche", schimpft Heidebroek. Zum Dialog mit der Ministerin komme es zudem kaum. "Wir reden eigentlich kaum miteinander", wirft sie Reiche vor, lobt aber immerhin den Austausch auf Arbeitsebene.

Die Windenergiebranche in Deutschland fühlt sich von der Bundesregierung in die Enge getrieben – vor allem wegen geplanter Änderungen, die den finanziellen Druck auf die Betreiber erhöhen und die Energiewende laut Branchenverbänden auszubremsen drohen. Die nun vorgesehene Streichung von Entschädigungen bei abgeregelten Wind- und Solaranlagen in bereits gut ausgebauten Regionen könnte nach Schätzung der Verbandspräsidentin große Investitionen verhindern und Arbeitsplätze gefährden. Zusätzlich gibt es erhebliche Kritik am mangelnden politischen Austausch auf höchster Ebene, was die Sorge verstärkt, dass die Energiewirtschaft ohne Rückhalt ins Hintertreffen gerät.

In aktuellen Medienberichten wird außerdem auf den wachsenden Wettbewerb aus China und die strukturellen Defizite des deutschen Netzausbaus hingewiesen. Die Kritik weiterer Branchenverbände und betroffener Unternehmen fokussiert sich darauf, dass der Ausbau erneuerbarer Energien in Deutschland abermals zu stagnieren droht, während der Netzausbau nicht ausreichend beschleunigt wird (vgl. u.a. Zeit Online, 05.06.2024). Gerade die gestiegenen Kosten und die schwierige Genehmigungslage erschweren derzeit Windkraftprojekten in Deutschland die Realisierung, was mehrfach als Hemmnis für die Erreichung der Klimaziele genannt wird. Hinzu kommt, dass andere Länder – wie etwa Frankreich oder Dänemark – aktuell höhere Zubauzahlen vorweisen können, was in der deutschen Energiewirtschaft für zusätzlichen Druck sorgt.

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