Ärztepräsident Reinhardt: Telefonische Krankmeldung nicht abschaffen!

Soll künftig schon ab Tag eins ein Attest Pflicht werden, fordert Ärztepräsident Klaus Reinhardt: Telefonische Krankschreibungen für vertraute Patienten müssen bleiben. "Die Politik darf nicht vergessen, wie wichtig diese Möglichkeit für Praxisalltag und Patientinnen ist", erklärte er gegenüber den Funke-Medien.

heute 06:59 Uhr | 2 mal gelesen

Was wenig bekannt ist: Gerade einmal rund 1,2 Prozent aller Arbeitsunfähigkeitstage in Deutschland laufen überhaupt per Telefonmeldung. Nun, eigentlich gar nicht viel, könnte man meinen. Doch laut Hausärzten befreit diese Option massiv den Alltag – sowohl für die Praxen mit überfülltem Wartezimmer als auch für leicht erkrankte Menschen, die lieber im Bett bleiben.

Digital trotz Erkältung: Warum nicht?

Und die Technik? Sie schleicht sich ohnehin überall ein. Neben dem klassischen Telefonat sitzen mittlerweile auch Videosprechstunden fest im Repertoire vieler Ärztinnen. "Vor allem bei Patienten, die wir schon kennen, ist das keine Seltenheit mehr", meint Reinhardt. Ganz anders sieht es aber bei neuen Patienten aus – dort, sagt er, stößt die Methode an moralische und medizinische Grenzen.

Erste Krankheitstage: Attestpflicht sinnvoll?

Der nächste Aufreger: Müssen künftig schon am Tag eins alle Beschäftigten zum Arzt? Reinhardt winkt ab. Für ihn ist das eher ein deutscher Kontroll-Reflex als ein Gewinn für die Gesundheit. "Wer glaubt, Krankheiten verschwinden per Formular, hatte noch nie eine verstopfte Arztpraxis!", so sein augenzwinkernder Kommentar. Echte Verbesserungen vermutet er nicht in der Bürokratie, sondern direkt am Arbeitsplatz.

Betriebsklima statt Krankenschein

Eine Frage, die immer im Raum steht: Liegt es wirklich nur am Papier, dass Menschen krank werden? Reinhardt bezweifelt das. Entscheidungen über Gesundheit fielen oft anderswo: Wertschätzung, Arbeitsbedingungen, Mitbestimmung – da liege der Schlüssel, sagt er. Die Debatte um Karenztage? Kann man führen, aber bitte nicht vermischen.

Reinhardt macht sich für die Beibehaltung der Telefon-Krankschreibung bei bekannten Patienten stark und widerspricht der Verschärfung der Attestpflicht zum ersten Krankheitstag, die politisch gerade heiß diskutiert wird. Er sieht den tatsächlichen Hebel für gesündere Mitarbeitende nicht im Gesetzblätterstapel, sondern im täglichen Miteinander und einem Wandel der Unternehmenskultur. Laut aktuellen Medienberichten wird in der Bundesregierung mit Nachdruck über strengere Krankmelderegeln beraten, doch Ärzte, Betriebsräte und Gewerkschaften sind sich uneins: Die einen sehen die Tele-Krankschreibung als entlastendes, modernes Instrument, die anderen fürchten Missbrauch und den Verlust betrieblicher Kontrolle. Wie die aktuellen Fälle aus der Schweiz und Skandinavien zeigen, kommt die digitale Attestierung dort gut an – Rückmeldungen sind größtenteils positiv und Krankenstände lassen sich weiterhin verlässlich dokumentieren. Auch verschiedene Ärzteverbände warnen vor zusätzlicher Belastung der Praxen und plädieren für pragmatische Lösungen, während in der Politik Stimmen werden lauter, die strengere Nachweise für Arbeitnehmer fordern.

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