Gerüchten zufolge erwägt der Automobilhersteller Audi, die jährliche Produktion am Standort Neckarsulm von aktuell 225.000 auf künftig nur noch 150.000 Fahrzeuge herunterzuschrauben. Dies berichtet das 'Handelsblatt' und beruft sich auf vertraute Stimmen aus Unternehmenskreisen. Die Werksschließung hängt wie ein Damoklesschwert über Neckarsulm – schon seit Ende 2019 ist die Belegschaft durch ein Sparprogramm geschrumpft, das Produktionsvolumen lag damals bei satten 300.000 Pkw pro Jahr.
Weitere angedachte Sparmaßnahmen könnten vor allem in den sogenannten Doppelstrukturen liegen – sowohl Neckarsulm als auch Ingolstadt haben jeweils eigene Buchhaltung, Personalabteilung und technische Entwicklungsabteilung. Kippt man dort sämtliche Überschneidungen, könnten bis zu 1.000 Arbeitsplätze eingespart werden, kalkulieren Eingeweihte.
Einige Entscheider schlagen außerdem vor, auch die Produktion in Ingolstadt zu verringern – etwa auf unter 400.000 Fahrzeuge (von heute 450.000), damit das Unternehmen insgesamt flexibler und weniger kostenintensiv aufgestellt ist. Zusammengerechnet würde Audi die Fertigung in Deutschland damit auf gut eine halbe Million Pkw senken – fast nur noch die Hälfte verglichen mit 2019.
Ausgelöst wurden die Überlegungen durch das Sparprogramm von VW-Konzernchef Oliver Blume. Ihm zufolge stehen in den kommenden Jahren 55.000 bis 70.000 Arbeitsplätze und sogar ganze Standorte wie Zwickau, Emden, Hannover – und eben Neckarsulm – auf dem Prüfstand.
Audi steckt mitten in einem tiefgreifenden Umbau, in dessen Zentrum vor allem Kostensenkungen und Effizienzsteigerungen stehen. Das Werk in Neckarsulm gilt dabei vielen als besonders verwundbar: Neben sinkender Nachfrage bei Premiumfahrzeugen und dem anhaltenden Wandel zur Elektromobilität machen auch die sinkenden Gewinnmargen Sorgen. In zahlreichen aktuellen Artikeln wurde berichtet, dass die aktuelle Marktlage der gesamten Automobilbranche unter Druck setzt: Die Nachfrage insbesondere nach klassischen Modellen schwankt, und Elektromobilität bringt neue Herausforderungen. Parallel werden auch bei anderen Herstellern ähnliche Sparmaßnahmen und Werksumstrukturierungen diskutiert. Beschäftigte in Neckarsulm leben daher derzeit in großer Unsicherheit, eine Zukunftsperspektive für die Region ist weiterhin unklar. Der Ausgang dieser Situation könnte Signalwirkung für den gesamten deutschen Automarkt haben – eine derartige Produktionsdrosselung gab es lange nicht mehr. Gleichzeitig fordert der Betriebsrat von Audi, kreative Alternativen zur Schließung zu suchen, etwa neue Modelle oder Kooperationen, um den Standort weiterhin zu sichern.