Berliner Grünen-Politiker Graf plädiert offen für Enteignung großer Immobilienfirmen

Sollten die Grünen in Berlin nach der Wahl an die Regierung kommen, plant Werner Graf einen mutigen Schritt: Wohngiganten sollen vergesellschaftet und für das Gemeinwohl verfügbar gemacht werden.

heute 06:50 Uhr | 3 mal gelesen

Kaum hat Berlin die Morgendämmerung hinter sich gelassen, kündigt Werner Graf – der Mann an der Spitze der Hauptstadt-Grünen – etwas an, das unweigerlich für Gesprächsstoff sorgt.

Vergesellschaftung als Lösung?

Im Interview mit dem "Tagesspiegel" (Donnerstagsausgabe) stellt Graf klar: Die Vergesellschaftung großer Wohnungsunternehmen sei für ihn kein zurückgehaltenes Geheimprojekt. Im Gegenteil – Berlin müsse notfalls neue Kredite aufnehmen, um Wohnungen in öffentliche Hand zu bekommen. Ein riskanter, aber auch, wie er sagt, äußerst sinnvoller Weg, sofern man längerfristig denkt.

Mieteinnahmen als Gegenwert

Graf argumentiert: Die übernommenen Wohnungen liefern Berlin nicht nur Vermögen, sondern auch stabile Einnahmen durch die Mieten. "Die großen Player auf dem Immobilienmarkt kassieren aktuell riesige Gewinne", bemerkt er – also solle die Stadt selbst davon profitieren. Irritationen sind programmiert, denn Marktkräfte lassen sich selten ganz ohne kräftigen Eingriff zähmen.

Mehr als Enteignung: Mischstrategie gefordert

Wichtig sei ihm aber, dass Enteignungen eben kein Patentrezept sind. Genauso unerlässlich: Ein Gesetz für faire Mieten – und innovative Ansätze wie die Umnutzung leerstehender Bürogebäude als Wohnungen. Zu leicht macht er es sich also nicht, sondern verweist wohl wissend auf die Vielschichtigkeit des Problems.

Grüne Ziele und die Wahl

Als Spitzenmann führt Graf die Berliner Grünen in den Wahlkampf für das Abgeordnetenhaus am 20. September. Was nach der Wahl folgt, bleibt ein offenes Kapitel, das weiteres politisches Ringen erwarten lässt.

Werner Graf, Zugpferd der Berliner Grünen, fordert entschlossen die Vergesellschaftung großer Wohnungskonzerne, sollte seine Partei künftig die Landesregierung anführen. Graf sieht die Chancen in der langfristigen Kontrolle öffentlicher Wohnungsbestände und einer nachhaltigen Einnahmequelle für Berlin – trotz der zu erwartenden Kreditaufnahme und finanziellen Belastung. Unverzichtbare Begleitmaßnahmen wie neue Mietgesetze und die schnelle Umwidmung leerstehender Büros rücken dabei ebenfalls in sein Blickfeld.

Jüngste Entwicklungen und Hintergründe

Die hitzige Kontroverse um die Enteignung großer Wohnungsgesellschaften bleibt in Berlin präsent. Wie aktuelle Berichte unter anderem von taz und RBB zeigen, sorgt ein frisches Rechtsgutachten für neuen Diskussionsstoff: Es prüft juristische Machbarkeit und finanzielle Folgen tiefgehend. Politische Gegenspieler warnen vor immensen Haushaltsrisiken und Rechtsunsicherheiten, während soziale Initiativen und Berliner Mieterinitiativen weiter auf Vergesellschaftung drängen. Am 25. Juni kam schließlich ein entscheidendes Rechtsgutachten zur Sprache, dessen Ergebnis wohl die politische Strategie der nächsten Monate enorm beeinflussen wird.

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