Vergesellschaftung als Lösung?
Im Interview mit dem "Tagesspiegel" (Donnerstagsausgabe) stellt Graf klar: Die Vergesellschaftung großer Wohnungsunternehmen sei für ihn kein zurückgehaltenes Geheimprojekt. Im Gegenteil – Berlin müsse notfalls neue Kredite aufnehmen, um Wohnungen in öffentliche Hand zu bekommen. Ein riskanter, aber auch, wie er sagt, äußerst sinnvoller Weg, sofern man längerfristig denkt.Mieteinnahmen als Gegenwert
Graf argumentiert: Die übernommenen Wohnungen liefern Berlin nicht nur Vermögen, sondern auch stabile Einnahmen durch die Mieten. "Die großen Player auf dem Immobilienmarkt kassieren aktuell riesige Gewinne", bemerkt er – also solle die Stadt selbst davon profitieren. Irritationen sind programmiert, denn Marktkräfte lassen sich selten ganz ohne kräftigen Eingriff zähmen.Mehr als Enteignung: Mischstrategie gefordert
Wichtig sei ihm aber, dass Enteignungen eben kein Patentrezept sind. Genauso unerlässlich: Ein Gesetz für faire Mieten – und innovative Ansätze wie die Umnutzung leerstehender Bürogebäude als Wohnungen. Zu leicht macht er es sich also nicht, sondern verweist wohl wissend auf die Vielschichtigkeit des Problems.Grüne Ziele und die Wahl
Als Spitzenmann führt Graf die Berliner Grünen in den Wahlkampf für das Abgeordnetenhaus am 20. September. Was nach der Wahl folgt, bleibt ein offenes Kapitel, das weiteres politisches Ringen erwarten lässt.Werner Graf, Zugpferd der Berliner Grünen, fordert entschlossen die Vergesellschaftung großer Wohnungskonzerne, sollte seine Partei künftig die Landesregierung anführen. Graf sieht die Chancen in der langfristigen Kontrolle öffentlicher Wohnungsbestände und einer nachhaltigen Einnahmequelle für Berlin – trotz der zu erwartenden Kreditaufnahme und finanziellen Belastung. Unverzichtbare Begleitmaßnahmen wie neue Mietgesetze und die schnelle Umwidmung leerstehender Büros rücken dabei ebenfalls in sein Blickfeld.