AOK-Chefin plädiert für den Fortbestand telefonischer Krankschreibungen

Für Carola Reimann vom AOK-Bundesverband ist die telefonische Krankschreibung weiterhin ein kluger Schutzmechanismus – vor allem in Zeiten grassierender Infektionskrankheiten.

heute 01:02 Uhr | 3 mal gelesen

Carola Reimann hat unlängst betont, wie sinnvoll die Möglichkeit der Krankschreibung per Telefon ist – besonders, wenn Viren Hochsaison haben. Ihrer Einschätzung nach gibt es keinerlei Anzeichen für gehäuften Missbrauch durch Patienten oder Ärzt:innen. Im Gegenteil: Während der Corona-Pandemie habe sich das Verhalten keineswegs auffällig verändert. Die Debatte um eine AU-Pflicht ab Tag eins stößt ihr sauer auf: Sie würde, so Reimann, Klinik- und Praxispersonal lahmlegen, weil man völlig unnötig Kapazitäten an Bürokratie bindet. Ihr Argument: Schon jetzt können Arbeitgeber im Verdachtsfall eine Krankschreibung ab dem ersten Tag anfordern – da braucht‘s keine Gesetzeskeule für alle. Sie betrachtet das aktuelle politische Gerede über zu viele Fehltage und angeblich übertriebenen Freizeitdrang beim Personal mit Skepsis. Die neue elektronische AU bietet aus ihrer Sicht detailliertere und verlässlichere Daten, was auch die Diskussion über vermeintlich gestiegene Fehlzeiten entzaubert. Nun liegt das Thema beim Gesetzgeber auf Eis: Noch ist offen, wann und wie genau die geplante Verpflichtung zur Krankschreibung ab Tag eins kommen soll – parallel soll die telefonische Variante ganz wegfallen. Übrigens: Die Möglichkeit zur telefonischen Krankmeldung ist zurzeit ohnehin streng limitiert. Sie gilt nur für bereits bekannte Patient:innen und akute, besonders bei Infektionserkrankungen – und selbst dann nur höchstens für eine Woche.

Die Kontroverse um die Zukunft der telefonischen Krankschreibung bewegt weiterhin Politik und Gesellschaft. Während AOK-Chefin Reimann die Maßnahme als wirksames Instrument in Influenza- und Corona-Zeiten verteidigt, befürchtet sie eine Überlastung des medizinischen Systems durch geplante Verschärfungen (Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung ab dem ersten Krankheitstag). Nach aktuellen Medienberichten wird die Thematik gern aus politischem Kalkül aufgebauscht, obwohl bislang keine belastbaren Hinweise auf Missbrauch oder dramatische Veränderungen bei Krankheitstagen vorliegen. Darüber hinaus warnen viele Experten*innen vor einer Abschaffung der telefonischen Krankschreibung, weil sie einen wichtigen Beitrag zur Infektionsprävention und zum Patientenschutz leistet; zumal die Einführung der elektronischen AU zu mehr Transparenz und besseren Statistiken geführt hat. Die konkrete Gesetzesumsetzung für die verschärfte Nachweispflicht ist derzeit noch offen, weil der Koalitionsausschuss angesichts der kritischen Stimmen derzeit keine entsprechende Regelung durchgesetzt hat.

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