IG Metall droht Volkswagen erstmals mit Streik – Belegschaft im Ausnahmezustand

Angespannte Nerven bei VW: Die IG Metall steht bereit, notfalls zum ersten Mal in der Geschichte einen regulären Streik auszurufen. Grund ist die Art und Weise, wie Vorstand und Anteilseigner den Stellenabbau und einschneidende Pläne zum Umbau des Konzerns vorantreiben.

heute 17:00 Uhr | 2 mal gelesen

Thorsten Gröger, oberster IG-Metall-Vertreter in Niedersachsen, gab im Interview mit dem 'Stern' ungewöhnlich scharf zu verstehen: Hält VW-Chef Oliver Blume stur an den aktuell diskutierten Umstrukturierungen fest – also das weitgehende Aus für die Fahrzeugfertigung in Emden, Hannover, Zwickau sowie Neckarsulm und womöglich der Abbau von 100.000 Jobs – dann trifft der Konzern auf massiven Widerstand. Und damit ist aus Sicht der Gewerkschaft tatsächlich nicht mehr bloßes Protestieren gemeint. Was besonders irritiert: Die Kommunikation seitens der VW-Spitze sei miserabel gelaufen, so Gröger. Viele Angestellte hätten lediglich über Flurfunk und Medien erste Hinweise auf ihre ungewisse Zukunft erhalten. Ein offener Austausch über Pläne oder gar eine öffentliche Strategie suchte man bislang vergeblich. Gröger nimmt auch kein Blatt vor den Mund, wenn er die beiden großen Eigentümerfamilien kritisch beleuchtet: "Wenn Porsche und Piëch nur auf schnelle Gewinne und Ausschüttungen drängen, gefährdet das die DNA des Unternehmens." Für ihn sei klar: Die sogenannte Sozialpartnerschaft, stets hochgehalten als Volkswagen-Tradition, stehe auf dem Spiel. Falls sich die tonangebende Eigentümerseite jetzt über Jahrzehnte erprobte Zusammenarbeit hinwegsetzt, könnte das laut Gröger nicht nur das Betriebsklima dauerhaft zerstören, sondern Grundvertrauen riskieren. "So weit lassen wir es aber nicht kommen. Wir bereiten uns auch auf Szenarien vor, die wir bislang für undenkbar hielten," warnt Gröger mit Blick auf den möglichen ersten Streik in der VW-Historie. Ihm sei dabei nicht an Eskalation gelegen – aber die Belegschaft sei nicht bereit, alles hinzunehmen. Ganz ehrlich – wer hätte vor ein paar Jahren gedacht, dass Volkswagen wirklich vor einem echten Arbeitskampf stehen könnte?

Die IG Metall stemmt sich energisch gegen geplante Stellenstreichungen und Standortschließungen bei Volkswagen, wobei vor allem Intransparenz und der Umgang des Managements für Empörung sorgen. Der zunehmende Investorendruck – insbesondere von Porsche und Piëch – verschärft die Situation zusätzlich, da kurzfristige Renditeziele offenbar über die jahrzehntelange Sozialpartnerschaft gestellt werden. Stand heute gibt es keine Entspannung: Die Lage wird durch mäßige Zahlen im Bereich Elektromobilität und die Unsicherheit im Transformationsprozess noch zugespitzt. Aus Medien und Branchenkreisen ist zu entnehmen, dass die Betriebsräte neben Jobgarantien auch Einfluss bei strategischen Entscheidungen fordern – und ein Streik bei VW, bislang ein Tabu, ist plötzlich so nah wie nie zuvor. Bislang äußert sich der Vorstand nur ausweichend über konkrete Sparpläne; die Gewerkschaft will ein Exempel statuierten und sieht die gesamte deutsche Autoindustrie als Schauplatz für eine Schlüsselauseinandersetzung, die das Gleichgewicht von Arbeitgeber- und Arbeitnehmerinteressen dauerhaft verändern könnte.

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