Man mag zuerst an schwere Motorblock-Montagen denken oder das gleichmäßige Surren automatisierter Förderbänder, doch was 2040 in den Montagehallen europäischer Autobauer zu hören sein wird, ist vor allem eines: Leere. Eine neue Analyse des Fraunhofer-Instituts für Arbeitswirtschaft und Organisation, beauftragt vom Arbeitgeberverband Gesamtmetall, malt ein düsteres Bild. Bis zum Jahr 2040 könnten 726.000 Jobs, die direkt an Antriebskomponenten hängen, gestrichen werden – und das ist mehr als nur ein statistischer Ausrutscher. 2025 arbeiteten in der Branche europaweit noch 1,6 Millionen Menschen und erwirtschafteten immerhin eine Wertschöpfung von 250 Milliarden Euro. Doch bereits in den kommenden sieben Jahren, also bis 2030, könnte der Sektor 375.000 Jobs verlieren, und 2035 stünde Europas Autobranche um 660.000 Jobs ärmer da.
Die Forscher testeten vier verschiedene politische Wege auf ihre Auswirkungen – von vollständigem Verbrenner-Aus ab 2035 bis zu weicheren Kompromissen mit CO2-Reduktion und grünem Stahl. Spannend: Beim Jobverlust machen die verschiedenen Szenarien kaum einen Unterschied, die Automatisierung und der Shift zu neuen Technologien schlagen fast überall ähnlich hart zu. Die Autoren warnen: Wer jetzt nicht handelt, könnte Europa in dauerhafte Technologieabhängigkeit drängen. Das Fazit ist unbequem klar – Wertschöpfung und Beschäftigung schwinden, die Zukunft hockt wie ein Schatten in den Werkhallen. Und doch: Vielleicht liegt der Ausweg in einer breiten technologischen Neuausrichtung, einer Bereitschaft mit neuen Fertigungsarten, Werkstoffen, Qualifikationen. So bleibt wenigstens ein Rest Hoffnung. Oder ist das auch schon zu optimistisch gedacht?
Die Studie des Fraunhofer-Instituts zeigt, wie umfassend und erschütternd der Umbruch in der europäischen Automobilindustrie wirklich sein könnte. Hauptgrund sind vor allem der Wechsel zu E-Mobilität und strengere Umweltziele, die traditionelle Arbeitsplätze in der Motoren- und Getriebefertigung abschmelzen lassen. Die Autoren warnen eindringlich vor zu viel Nachlässigkeit: Ohne gezielte Strategien und Investitionen drohen technologische Abhängigkeit von Drittländern und eine massive soziale Schieflage in Europas Industrielandschaft. Interessant ist zudem, dass die Studie politische Kompromisslösungen (wie CO2-Reduktionen oder alternative Kraftstoffe) im Hinblick auf den Jobabbau kaum für wirksam hält. Nach Recherchen verschiedener Medien reagieren Gewerkschaften und Politik sehr unterschiedlich auf die Erkenntnisse – vom Ruf nach massiven Fortbildungsprogrammen bis zum Plädoyer für innovationsfreundlichere Rahmenbedingungen. Der Streik bei OPEL in Deutschland am Donnerstag zeigt die Brisanz – Beschäftigte fürchten um ihre Zukunft und fordern bessere Perspektiven. Zudem berichten Branchenportale, dass gerade Zulieferer enorm unter Druck geraten, da Entwicklungssprünge in der Elektronik teils milliardenschwere Neu-Investitionen erfordern, die kleine und mittelständische Unternehmen kaum stemmen können.