Autobund gegen China: EU sucht Schulterschluss mit Partnern

In Brüssel schmiedet die EU-Kommission mit Großbritannien, Japan und Südkorea ein neues Bündnis, um dem wachsenden Einfluss chinesischer Autoexporte zu begegnen.

heute 17:59 Uhr | 2 mal gelesen

Laut Recherchen des 'Handelsblatts', die sich auf interne Informationen aus Brüssel stützen, arbeitet die EU aktuell an einer Art Schutzgemeinschaft für die Automobilbranche. Es klingt fast ein wenig wie ein Band der alten Industrien, das sich gegen die Überflutung des Marktes mit chinesischen Autos wappnet. Im Fokus: gegenseitige Offenheit der Märkte der vier Staaten, Koordination im Bereich kritische Rohstoffe (also etwa Lithium für Batterien) und – besonders spannend – neue Regelungen, die Autos aus Japan, Südkorea und dem Vereinigten Königreich bei EU-Kaufanreizen praktisch mit heimischen Fabrikaten gleichstellen würden. So rechtlich sauber klingt das alles zwar erstmal nicht, doch WTO-Regeln bieten gewisse Hintertürchen, etwa Schutzmaßnahmen à la Stahlzölle. Bernd Lange, ein bekanntes Gesicht aus Brüssels Handelskosmos, bestätigt, dass man sich mit den Partnerländern abstimme und kollektive Instrumente erwäge. Was wie ein lapidares Detail klingt, ist vor allem mit Blick auf die Überschwemmung Europas mit chinesischen Plug-in-Hybriden relevant: Immerhin stammten Anfang 2026 über die Hälfte solcher Fahrzeuge aus China. Ein interessanter, fast beiläufig erwähnter Punkt: Mittlerweile überholen die Chinesen sogar die japanischen Autobauer bei den Verkaufszahlen in Europa – das hätte vor zehn Jahren wohl kaum jemand vorausgeahnt.

Die EU-Kommission plant, zusammen mit Großbritannien, Japan und Südkorea gemeinsame Schutzmaßnahmen gegen die massive Zunahme chinesischer Autoexporte und insbesondere von Plug-in-Hybriden zu ergreifen. Dazu zählen unter anderem gegenseitige Marktöffnung, gemeinsame Rohstoffprojekte und das Bevorzugen von E-Autos aus den Partnerländern bei Subventionen und steuerlichen Anreizen. Außerdem stehen Schutzmechanismen im Raum, die ähnlich wie bestehende Importzölle für Stahl Exporte aus Drittstaaten erschweren könnten. In aktuellen Medienberichten wird außerdem über die Verhängung von Strafzöllen auf E-Autos aus China und interne Diskussionen über einheitliche Zolltarife berichtet. Die EU reagiert damit sichtbar auf wachsendes Unbehagen in der europäischen Autoindustrie, die sich durch das starke Wachstum chinesischer Anbieter zunehmend verdrängt fühlt. Bereits in 2024 wurden mehrere Untersuchungen eingeleitet, mit dem Ziel, möglichen unlauteren chinesischen Subventionen nachzugehen oder einen Handelsausgleich zu erzwingen.

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