Wer heutzutage das VW-Werk in Hannover besucht, kann den süß-sauren Beigeschmack der Unsicherheit fast greifen. Olaf Lies, Niedersachsens Ministerpräsident, hat jedenfalls nach seinem Rundgang ein paar überraschend optimistische Töne angeschlagen. Klingt nach Zweckoptimismus – aber vielleicht steckt mehr dahinter? Er sieht die Fertigung des 'California'-Campers wie auch die Pläne zu den autonomen ID-Bussen eingebettet in einen ziemlich robusten Fertigungsprozess. Ein Rückbau, ein Bedeutungsverlust Hannovers im Gesamtkonzern? Für Lies ist das reine Spinnerei. Dennoch, und das sagt er mindestens so offen wie norddeutsch direkt, laufen zähe Verhandlungen: Land, Management, Belegschaft – eine Art Dreiecksschach, das selten geradlinig abläuft. Was oft vergessen wird: Ohne die vielen kleinen Verbesserungsvorschläge, die von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern direkt kommen – manchmal fast unspektakulär daherkommend – liefe vieles längst nicht so rund.
Auffällig diesmal: Betriebsratschefin Cavallo lässt nicht locker und verlangt vom Vorstand, genauer zu sagen, was eigentlich geplant ist. Wer mag’s ihr verdenken? Denn schon bald stehen Betriebsversammlungen an, bei denen dicke Bretter gebohrt werden müssen. Olaf Lies will seinen Fokus übrigens nicht nur auf Hannover beschränken: Osnabrück, Emden – überall will er sich ein Bild machen, 'nah ran' sein, wie er sagt. Übrigens geht’s längst nicht mehr nur um Blechbiegen und PS, sondern auch um ganz neue unternehmerische Ideen, die der Standort brauchen wird, um im Sturm zu bestehen.
Apropos Einfluss: Die Landesregierung hat in Wolfsburg traditionell einiges zu sagen, Porsche hat zwar nominell mehr, aber Niedersachsen mischt ganz vorne mit. VW steckt tatsächlich zwischen Hammer und Amboss – Konkurrenz etwa aus China, aber auch hausgemachte Herausforderungen sind präsent. Die Geschichte ist damit alles, nur nicht vorhersagbar. Für die Belegschaft: Nerven behalten – und für Beobachter ein Popcorn-Moment.
Olaf Lies, Ministerpräsident von Niedersachsen, bewertet die Zukunft des VW-Standorts Hannover trotz Schwierigkeiten als vielversprechend. Er hebt den tatkräftigen Einsatz der Mitarbeitenden hervor, sowohl in der Produktion als auch bei der Einbringung von Verbesserungen. Die Diskussionen über die künftige Ausrichtung sind zwar zäh und gelegentlich konfliktreich, aber Lies bleibt überzeugt, dass Hannover für VW unerlässlich bleibt. Aktuelle Veröffentlichungen unterstreichen, wie sehr Volkswagen unter wachsendem Druck von internationaler Konkurrenz (insbesondere durch chinesische Hersteller) und internen Umbrüchen leidet, nicht zuletzt durch die notwendige Umstellung auf E-Mobilität und Digitalisierung. Parallel machen Berichte deutlich, dass die Unzufriedenheit bei Teilen der Belegschaft zunimmt, teils wegen schleppender Innovationen, mangelnder Klarheit der Unternehmensführung und Problemen im Aufbau der Ladeinfrastruktur. Neue Recherchen zeigen außerdem: Die Neuaufstellung von Förderprogrammen und die Unternehmensstrategie sind offenbar noch immer Baustellen, die Politik, Management und Arbeiterschaft gemeinsam herausfordern.