Solche Abende sind der Grund, warum der DFB-Pokal manchmal wilder als jede Netflix-Serie daherkommt. Wolfsburg, gerade erst aus der Bundesliga abgestürzt und leicht ramponiert in Sachen Selbstwahrnehmung, mühte sich tapfer – oder besser: verzweifelt – gegen die beherzten Underdogs aus dem Berliner Süden. Die Euphorie der Außenseiter war sofort spürbar: Nach nicht mal sieben Minuten landete ein hoher Ball über Umwege unwiderstehlich im Wolfsburger Netz. Vielleicht waren die Wölfe mit ihren Gedanken noch in der vergangenen Saison, vielleicht wirkte das Flutlicht überraschend grell, jedenfalls blieben sie bis zur Pause blass. Wie aus dem Nichts rappelte sich dann Arnold auf, sein Distanzhammer machte Mut, aber die Gastgeber blieben nervenstark und blitzen immer wieder gefährlich auf. Als Zielinski einen hanebüchenen Bock schoss, lagen die Favoriten erneut hinten. Fast schon typisch. Erst kurz vor Schluss rettete ein feiner Freistoß Wolfsburg in die Verlängerung – und dann wurde es endgültig absurd: Arnold köpfte den Ball ungewollt zu Ibrahimi, der die Führung schnappte, Altglienicke glich kurz vor dem Abpfiff doch noch aus. Im Elfmeterschießen dann die Erlösung für Wolfsburg. Solche Geschichten hätte sich kein Drehbuchautor besser ausdenken können. Fußball ist manchmal einfach verdammt überraschend, und die Moral ging an die mutigen Berliner.
Wolfsburg tat sich im Erstrundenspiel des DFB-Pokals gegen Außenseiter Altglienicke in Sachen Spielfluss und Selbstbewusstsein enorm schwer. Trotz individueller Überlegenheit war das Team mehrfach zurück, musste nach 120 Minuten ins Elfmeterschießen – und konnte dort gerade noch einen peinlichen Ausrutscher verhindern. Altglienicke spielte fast schon über dem eigenen Limit: Mit mutigem Einsatz und cleverer Taktik zwangen sie den ehemaligen Bundesligisten an den Rand des Abgrunds. Das unterstreicht erneut, wie riskant Pokalspiele gerade für Favoriten sein können, wenn Herzblut die Lücke zur Qualität schließt. Im aktuellen Pokalgeschehen stolperten auch andere Profiklubs, etwa Mainz gegen Illertissen, Bremen gegen Wiedenbrück oder Köln bei Energie Cottbus. Die Konstellation verdeutlicht: Der Pokal hat einen eigenen Rhythmus, und kleine Vereine wachsen dabei häufig über sich hinaus. Deutsche Medien berichten zudem über den enormen emotionalen Wert solcher Abende, die für viele Amateurspieler ein Leben lang nachhallen – und auch aus finanzieller Sicht wichtiger Rettungsanker für kleine Klubs sein können.