Trotzdem, so ganz den Glauben an Verbesserungen hat Weber nicht verloren: Auf europäischer Bühne sieht er Bewegung. Strukturreformen, die etwa die Finanzmärkte betreffen, werden momentan auf EU-Ebene vorangetrieben – und Deutschland wird sie übernehmen müssen. Besonders begrüßt er, dass Kanzler Merz das Thema Kapitalmarkt-Union energisch aufgreift. Apropos Banken: Weber äußerte sich wenig begeistert darüber, wie der Bund sein Aktienpaket an der Commerzbank im September 2024 verhökert hat. Aus seiner Sicht war die Auktion schlecht gemanagt: Eine gestreutere Vergabe an verschiedene institutionelle Anleger hätte womöglich ein besseres Ergebnis für den deutschen Staat gebracht. Weber kennt sich da aus – immerhin lenkte er nicht nur die Bundesbank, sondern saß auch an der Spitze von UBS.
Axel Weber kritisiert scharf, dass Deutschland kaum noch entscheidende Reformen anstößt. Die komplizierte Struktur des föderalen Systems und die aktuell fehlenden politischen Mehrheiten für Verfassungsänderungen bremsen aus seiner Sicht notwendige Weichenstellungen. Interessanterweise sieht Weber in der EU die Kraft, Strukturwandel anzustoßen – etwa bei Bankenregelungen oder Finanzmärkten. Die Kritik am Commerzbank-Verkauf spiegelt Webers Unmut gegenüber unkoordinierten politischen Entscheidungen wider. Neuere Analysen und Stimmen aus dem Netz unterstützen Webers Perspektive: In den letzten Tagen wurde in mehreren Medien diskutiert, dass Deutschland beim Thema Digitalisierung, Fachkräftemangel und Standortattraktivität im Vergleich zu anderen Industrienationen zurückfällt. So war beispielsweise wiederholt zu lesen, wie das Fehlen klarer Reformziele und die langwierige Abstimmungsbürokratie Investoren, Start-ups und Mittelstand gleichermaßen frustrieren.