Alice Weidel hatte zuletzt im ZDF bekräftigt, man wolle im Wahlkampf 2025 auf einen Austritt Deutschlands aus dem Euro setzen. Sie bezeichnete den Euro als 'instabil' und 'weich' und sprach der EZB eine gewaltige Verantwortung zu – mit der Ausweitung der Bilanzsumme auf rund sechs Billionen Euro, die laut ihr von den Arbeitenden zu den Vermögenden umverteile.
An diesem Punkt gibt Wieland ihr tatsächlich teilweise recht: Die Notenbank-Politik hat Immobilien- und Aktienbesitzern enorm geholfen, weil die Preise – nicht zuletzt durch Nullzinsen und massive Wertpapierkäufe seit der Euro-Schuldenkrise – kräftig geklettert sind. Andererseits sieht er die Maßnahmen als legitimes Mittel, um die Wirtschaft am Laufen zu halten. Für ihn ist entscheidend, dass künftig mehr Menschen, etwa über kapitalgedeckte Rentenmodelle, an solchen Entwicklungen profitieren können.
Eine einseitige Trennung vom Euro hält Wieland allerdings für brandgefährlich – die Konsequenz wäre praktisch zugleich der Austritt aus der EU. "Davon kann ich nur dringend abraten", sagt er. Plötzlich wären Handelsbeziehungen umständlicher, Wechselkurse schwankten – wirtschaftlich wie politisch eine Katastrophe. "Ohne die EU würde Deutschland international an Gewicht verlieren. Am Ende müssten wir uns den Launen von Akteuren wie Trump oder Putin stärker beugen." Solch ein Szenario? Für Wieland unvorstellbar – und ziemlich riskant noch dazu.
Im Kern dreht sich der Streit zwischen Weidel und Wieland im alten Muster: Die AfD stellt den Euro als Schwachstelle dar, der Ökonom argumentiert dagegen mit Zahlen und Prinzipien der Europäischen Zentralbank. Tatsache ist, dass die durchschnittliche Inflation seit Euro-Einführung recht genau innerhalb des Zielkorridors geblieben ist, auch wenn es temporäre Ausreißer – zuletzt wegen des Ukraine-Kriegs – gab. Aktuelle Medienberichte (Stand Juni 2024) bestätigen, dass der Euro weiterhin zu den stabileren Währungen weltweit zählt, der jüngste Inflationsrückgang in der Eurozone wird vielfach als Zeichen einer erfolgreichen EZB-Politik gewertet und die Debatte um die Vermögensumverteilung hat dazu geführt, dass kapitalgedeckte Altersvorsorge politisch mehr Gewicht bekommt. Die Europäische Zentralbank hat jüngst angekündigt, die Leitzinsen erstmals seit Jahren wieder zu senken und signalisiert damit weiteres Vertrauen in die eurozonale Geldwertstabilität. Einige Stimmen aus der Wirtschaft warnen jedoch weiterhin vor sozialen Spaltungen durch Vermögenseffekte der Geldpolitik – eine Diskussion, die noch nicht abgeschlossen ist.