Berliner Linke: Ramelow schießt zurück – Unruhe um Antisemitismus-Kompromiss

Bodo Ramelow geht auf Distanz zu parteiinternem Widerspruch und verteidigt die Berliner Vereinbarung von Linken, Grünen und SPD. Hinter den Kulissen tobt in der Linken ein Streit über das Bekenntnis zu Israel und den Umgang mit Antisemitismus, der alte Gräben neu aufreißt.

heute 16:59 Uhr | 2 mal gelesen

Spannungen zwischen Ramelow und der Bundestagsfraktion

Kaum ist das Papier zur Koalitionssondierung zwischen Linken, Grünen und SPD in Berlin unterschrieben, flammt neuer Ärger auf – und ausgerechnet Bodo Ramelow, eine der bekanntesten Figuren der Linken, stellt sich demonstrativ hinter die Berliner Verhandlungsführung. Ihm stößt auf, dass sich Bundestagsabgeordnete aus ganz Deutschland, oft mit wenig Bezug zu Berliner Realitäten, öffentlich gegen den gefundenen Kompromiss wenden.

Existenzrecht Israels als politischer Zankapfel der Linken

Ramelow sprach gegenüber dem „Spiegel“ davon, dass mit der gemeinsamen Vereinbarung ein sicher nicht ganz einfacher, aber notwendiger Schritt für die politische Kultur gesetzt wurde – gerade weil die Debatte um Israel in der Linkspartei immer wieder für Aufruhr sorgt. Das Papier, so Ramelow, öffne durchaus Türen für neues Vertrauen. Besonders kritisch sieht er innerparteiliche Stimmen, die eine Einstaatenlösung fordern: Diese Lesart, dass am Ende Israel nicht mehr existieren würde, sei für ihn „undenkbar“.

Offener Brief: 17 Abgeordnete stellen sich quer

Es knirscht, das ist offensichtlich. Über 120 Linke, darunter bemerkenswert viele Parlamentarier:innen, unterzeichneten einen Brief gegen das Sondierungspapier. Der Zoff ist von außen betrachtet so alt wie die Partei: Die einen pochen auf klare Kante gegen Antisemitismus, andere befürchten, jede Kritik an Israels Regierung könnte so unmöglich werden.

Wie verbindlich sollen Koalitionsregeln sein?

SPD und Grüne bestanden im Vorfeld geradezu darauf, dass Themen wie Antisemitismus und Israels Existenzrecht ausdrücklich behandelt werden. Für einige Linke ist das ein Drahtseilakt: Sie fragen sich, wer politischen Streit mit Antisemitismus verwechselt und ob Sanktionen wie Fraktionsausschlüsse wirklich die Lösung sind.

Praktische Fragen stehen noch aus

Am Ende bleibt vieles offen. Wer sitzt am Tisch, wenn ein Vorfall verhandelt wird? Welche Stimmen wiegen am Ende schwerer – und was, wenn weitere Parteifreunde auf die Barrikaden gehen? Während SPD und Grüne auf Verlässlichkeit drängen, will die Linke nicht als Maulkorbpartei dastehen. Die Sondierungen in Berlin haben gerade erst begonnen; der innerparteiliche Druck steigt weiter.

Presseblick: Positionen prallen aufeinander

rbb24: „Widerstand gegen rot-grün-rote Antisemitismus-Vereinbarung“ hebt hervor, dass nicht nur die Israel-Frage, sondern auch der Umgang mit der BDS-Kampagne, die Wissenschaftskooperationen und ein neuer Kurs für den Verfassungsschutz für Zündstoff sorgen und schildert, wie die Konfliktlinien zunehmend durch die Partei verlaufen. n-tv: „Spitze habe sich Druck gebeugt: Linken-Politiker kritisieren Antisemitismus-Einigung in Berlin scharf“ konzentriert sich auf den innerparteilichen Protest und darauf, wie SPD und Grüne auf der Einigung bestanden. Auch wenn die Sondierungen weiterlaufen: Der Ausgang ist völlig offen.

Kurz & knapp: Streit um die neue Berliner Regierungsbildung

Der Rückhalt für die zwischen Linken, Grünen und SPD in Berlin ausgehandelte Sondierungsvereinbarung ist innerhalb der Linken tief umstritten. Während Bodo Ramelow die inhaltlichen Leitplanken – etwa zur eindeutigen Verurteilung von Antisemitismus und zum Bekenntnis zum Existenzrecht Israels – als Fortschritt sieht, lehnt eine beachtliche Gruppe prominenter Linker, darunter 17 Bundestagsabgeordnete, die Formulierungen als zu weitgehend und die Entscheidungsfindung als undemokratisch ab. Besonders kritisch wird gesehen, dass politische Kritik an der israelischen Regierung damit schnell als antisemitisch gewertet und innerparteiliche Sanktionen bis zum Fraktionsausschluss ermöglicht werden könnten.

Aktuelles aus Presse und Netz: Der Streit hat Berlin fest im Griff

Wie die Süddeutsche Zeitung berichtet, stehen abgesehen vom Antisemitismus-Streit auch noch Haushaltspolitik, Mietenregulierung und Klimaschutz im Fokus der Berliner Koalitionsgespräche („Scharfe Töne, wacklige Einigung“). Die Frankfurter Allgemeine Zeitung beschreibt, wie die linken Protestler die Parteispitze im Bundestag unter Zugzwang setzen, da der offene Brief viele Unterschriften gesammelt hat – für die Koalitionäre bleibt das Risiko, ohne klare Linie zu scheitern. Drittens zeigt ein Beitrag der taz, dass gerade die jüngeren Mitglieder der Berliner Linken für einen noch stärkeren Schlagabtausch stehen und neue demokratische Entscheidungsprozesse fordern, ohne alte Streitlinien aufzuweichen.

Neue Details: Ringen um eine Koalition unter größerem öffentlichen Druck

Aus aktuellen Artikeln geht hervor, dass die Debatte über Antisemitismus und das israelische Existenzrecht nur die Spitze des Eisbergs ist. Die Atmosphäre in der Partei wirkt gereizt, auch weil die Berliner Linke unter bundesweiter Beobachtung steht und ein Scheitern der Verhandlungen als schlechtes Signal für die gesamte Linkspartei gelten könnte. Gleichzeitig stellt sich die Frage, wie ein solches Bündnis mit scharfen inhaltlichen Auflagen praktisch funktionieren kann, wenn schon die kleinsten Formulierungen tiefen internen Zwist auslösen.

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