Union gegen Zuckerabgabe: Neun Landesminister rebellieren

Ein Bündnis aus neun unionsgeführten Ländern spricht sich entschieden gegen die geplante Zuckerabgabe aus. In einem Brief warnen sie vor neuer Bürokratie, wirtschaftlichen Schwierigkeiten für Betriebe und einer Abkehr von der bisherigen Linie der Eigenverantwortung – das alles im Widerspruch zum Koalitionsvertrag.

heute 17:01 Uhr | 2 mal gelesen

Kaum ist der erste Entwurf zur Zuckerabgabe auf dem Tisch, kommt schon Gegenwind – dieses Mal aus neun Ecken zugleich.

Querschüsse von der Länderebene

Die Liste der Absender liest sich wie ein Who's Who der Union: Ministerinnen und Minister von Bayern bis Sachsen-Anhalt, allesamt Steuermänner und -frauen ihrer Länder, die da an den Kanzler und seine Crew schreiben. Klingt erst mal nach typischem Polit-Alarmismus, aber die angehängten Bundeslandsiegel verleihen dem Einwand schon Gewicht. Laut dem Briefeingang vom 11. Oktober stehen hinter dem Schreiben Ressortspitzen aus Bayern, Baden-Württemberg, Berlin und weiteren Bundesländern. Viel Kratzen an der Oberfläche, aber – aus deren Sicht – auch tiefergehende Sorge um ihre Bauern und Getränkehersteller.

Süße Freiheit statt Zuckersteuer?

Die Briefeschreiber wühlen in Argumenten für eine freie, informierte Entscheidung der Verbraucher. Man solle an Eigenverantwortung, Bildung und Innovation glauben und eben nicht an den vermeintlich erzieherischen Zeigefinger der Steuerpolitik. Eine neue Abgabe? Das klingt für sie eher nach ungewolltem Preisschild auf Limonade, weniger nach cleverem Gesundheitsmanagement. Jeder Verbraucher solle selbst das Risiko seines Zuckerkonsums abschätzen. Aber – und das schleicht sich in den Zeilen fast beiläufig ein – die Belastung für Unternehmen wird als wesentliches Gegenargument hochgezogen.

Koalitionsvertrag als Trumpfkarte?

Die Minister berufen sich auf den Koalitionsvertrag, der von Freiwilligkeit, nicht von Zwang rede. Sogar steigende Betriebskosten und drohende Einbußen, durch einen potenziell schrumpfenden Zuckermarkt, werden angeführt. Ob das wirklich tragende Argumente sind? Zumindest in der politischen Debatte sind sie schwer wegzuwischen.

Rezepturen, Forschungslücken und ein Schuss Skepsis

Spannend ist, dass die Kritiker auch die wissenschaftliche Grundlage der geplanten Steuer ins Visier nehmen: Dass eine solche Abgabe tatsächlich zu weniger Übergewicht führt, sei nicht sicher bewiesen. Und mal ehrlich – manchmal bleibt bei solchen vielschichtigen politischen Vorstößen ein schales Gefühl zurück, ob der wirkliche Effekt größer als die Symbolkraft ist. Außerdem: Die wirtschaftlichen Nebenwirkungen lässt man nicht ganz zufällig besonders groß wirken – wer will schon kleinere Getränkebetriebe zusätzlich belasten, wenn sie ohnehin gegen internationale Riesen kämpfen müssen?

Zoff um die Details – und die große Linie

Abgesehen davon steht die konkrete Umsetzung noch aus, inklusive der magischen Grenze von einer Million Litern Jahresvolumen. Reine Symbolpolitik oder tatsächlich systematisch? Es prallen jedenfalls Vorstellungen von Eigenverantwortung und Aufklärung auf den politischen Wunsch, mit Preisschildern Gesundheit zu fördern.

Kühle Stimmung in der Koalition

Unbestreitbar: Der Streit zeigt, wie weit die Schere im eigenen Bündnis auseinandergehen kann. Die Union ist gefordert, ihre Kursänderung der letzten Jahre zu erklären – oder einen neuen, überzeugenden Kompromiss zu schmieden. Für die Verbraucher wird’s wohl teurer, für viele Hersteller komplizierter – und für die Politik bleibt's eine nervöse Probe aufs Exempel.

Neun Minister aus unionsgeführten Bundesländern stemmen sich gegen die geplante Zuckerabgabe und beziehen sich auf Freiwilligkeit und Eigenverantwortung als Leitprinzipien. Zwar argumentieren sie mit drohenden Belastungen für Produzenten und angeblich ungesicherten gesundheitlichen Effekten, doch belegen zahlreiche Studien – wie von der Weltgesundheitsorganisation und aus Großbritannien – durchaus, dass Zuckersteuern den Konsum zuckerhaltiger Getränke reduzieren können. In den letzten Berichten der Bundesregierung wird darauf verwiesen, dass das konkrete Steuerkonzept noch ausgearbeitet werden muss und Fragen zur sozialen Gerechtigkeit, zur Belastung kleiner Betriebe und zu flankierenden Maßnahmen (wie Ernährungsbildung) weiter diskussionswürdig bleiben.

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