Krisenzeiten machen wilde Ideen salonfähig – so scheint es auch bei VW. Konzernchef Blume hatte vor kurzem laut darüber nachgedacht, in China gefertigte Autos direkt nach Deutschland zu holen oder chinesische Hersteller in die eigenen Hallen zu lassen. Kein Wunder, angesichts der andauernden Flaute am Automarkt. Doch Mikko Huotari von Merics warnt entschieden: Das wäre ein Spiel mit dem Feuer. Die Autos aus China seien deshalb billiger, weil sie teils unter deutlich anderen Rahmenbedingungen gebaut werden – Subventionen, staatliche Lenkung und Arbeitsmodelle, mit denen man sich hierzulande kaum anfreunden könnte. Kurzfristig könnte VW dadurch tatsächlich durchatmen. Doch auf längere Sicht würde ein enormer Preiskrieg losgetreten, der nicht nur VW, sondern auch die Zulieferer und den gesamten Industriestandort Deutschland ins Wanken bringen könnte – nicht zuletzt, weil dabei sozial-ökonomische Standards aufgeweicht würden, die eigentlich zum Fundament unseres Wirtschaftsmodells gehören. Huotari wirft zudem die überraschende Frage auf: Warum eigentlich nicht Produktionskapazitäten für israelische oder kanadische Rüstungsfirmen zur Verfügung stellen? Aus geopolitischer Sicht vielleicht sogar das kleinere Übel, als die Pforten für einen strategischen Rivalen wie China sperrangelweit zu öffnen.
VW steht mit dem Rücken zur Wand und sucht nach Auswegen aus der aktuellen Absatzkrise. Die Überlegungen, Produktion und Import von China-Autos auszubauen, stoßen auf scharfe Kritik von Experten wie Mikko Huotari, der vor Preisdruck und einer Aushöhlung deutscher Sozialstandards warnt. Neuere Medienberichte zeigen, dass die EU inzwischen erwägt, Strafzölle auf in China gefertigte E-Autos einzuführen, um genau diesen Preiskampf zu dämpfen und faire Wettbewerbsbedingungen für europäische Hersteller zu sichern. Zudem verstärken sich die politischen Spannungen zwischen Europa und China im Bereich Handel und Technologie, wie aktuelle Stellungnahmen von EU-Politikern und deutsche Wirtschaftsverbände zeigen. Letztlich steht für die Branche viel auf dem Spiel: Es geht nicht nur um Absatz, sondern darum, welche Werte und Regeln die deutsche Industrie künftig prägen sollen.