Collien Fernandes verlangt nachhaltige Schritte gegen digitale Gewalt nach Demonstrationen

Nach den Protesten gegen digitale Gewalt ruft die Schauspielerin und Moderatorin Collien Fernandes zu konsequentem Handeln auf. Sie kritisiert vor allem die abwehrende Haltung vieler Männer und fordert, dass Stimmen betroffener Frauen nicht ungehört bleiben.

heute 17:14 Uhr | 2 mal gelesen

Die öffentliche Empörung ebbt oft schneller ab, als man denkt: Collien Fernandes beobachtet genau dieses Phänomen nach den jüngsten Kundgebungen gegen Gewalt im Netz. Kaum ist die Aufmerksamkeit erregt, droht sie auch schon wieder zu verpuffen.

Die Gefahr der Hype-Welle

Viele engagieren sich laut Fernandes eben nur in solchen „Aufmerksamkeitsfenstern“. Sie befürchtet, dass die breite Gesellschaft sich zu leicht damit zufriedengibt, nur Symbolik zu liefern – ein kurzes Bekenntnis auf der Straße oder im Netz, dann zurück zum Alltag. Nachhaltige Veränderung sieht anders aus, so Fernandes.

Erfahrungen mit männlicher Abwehr

Was sie besonders irritiert: Männer reagieren häufig defensiv, wenn es um digitale Gewalt gegen Frauen geht. Statt zuzuhören, betonen viele sofort: „Nicht alle Männer!“, äußert Fernandes ihre Frustration. Ihr Wunsch: Mehr Aufmerksamkeit für das, was Frauen wirklich durchmachen, statt das eigene Risiko falsch beschuldigt zu werden ins Zentrum zu rücken.

Fernandes, die sich selbst als Feministin bezeichnet, kennt auch die harsche Zurückweisung von Täterseite – oft in Form des Vorwurfs, frauenfeindliche Kritik sei Männerhass. Dabei, betont sie, gehe es einfach nur um Gerechtigkeit.

Sich selbst und andere nicht allein lassen

An Frauen, die von Gewalt betroffen sind – digital oder häuslich –, richtet Fernandes einen Appell: Sucht den Austausch, sprecht mit anderen, lasst euch nicht vereinzeln. Auch wenn Zweifel oder Misstrauen zu spüren sind: „Redet!“, sagt sie. Schon das Aussprechen kann befreiend sein und den nächsten Schritt ermöglichen.

Oft erkennt man erst durch das Erzählen, dass die eigenen Erfahrungen kein Einzelfall sind. Die Muster wiederholen sich erschreckend oft, so Fernandes.

Digitale Gewalt ist nicht losgelöst

Der gesellschaftliche Diskurs begreift digitale Übergriffe inzwischen immer häufiger als einen Teil häuslicher Gewalt – Beleidigungen und Angriffe im Netz sind meist keine Ausreißer, sondern setzen vorhandene Dynamiken fort. Aktuelle Studien zeigen: Besonders Frauen und Mädchen, oft aus dem engeren Umfeld, sind von Stalking, Überwachung und Anprangerung im Internet betroffen. Gewalt kennt keine Pause, keine räumliche Grenze, sie verlagert sich schlicht auf andere Plattformen.

Mehr Verantwortung, weniger Relativierung

Fernandes stößt dabei auf ein grundsätzliches Problem: Die Diskussion wird schnell von Ängsten der Männer dominiert, statt die Realität betroffener Frauen sichtbar zu machen. Ihre Forderung: Die Fakten anerkennen, Verantwortung nicht weichspülen – „nicht alle Männer“ genüge einfach nicht, um das Problem anzugehen.

Weg aus der Isolation braucht Verbündete

Frauen wird geraten, Erlebtes zu dokumentieren, sich untereinander zu vernetzen und Vorfälle zu melden – doch das alles reicht nicht aus, solange das Umfeld abblockt. Fernandes macht deutlich: Es braucht Unterstützung aus allen Teilen der Gesellschaft, um digitale Gewalt wirksam zu bekämpfen.

Kernforderungen und aktuelle Einordnung

Collien Fernandes fordert nicht nur mediale Aufmerksamkeit für digitale Gewalt, sondern einen gesellschaftlichen Mentalitätswandel. Besonders mahnt sie an, dass der Fokus nicht auf der Angst von Männern vor Falschbeschuldigungen liegen soll, sondern auf dem, was Betroffene tatsächlich erleben – und man sich den „nicht alle Männer“-Reflex sparen könne.

Hintergründe aus aktueller Recherche

2024 zeigt sich: Die Zahl der gemeldeten Online-Übergriffe gegen Frauen nimmt weiter zu, sowohl Polizei als auch Beratungsstellen arbeiten am Anschlag. Die Politik diskutiert verstärkte Maßnahmen, darunter verpflichtende digitale Schutzmechanismen und eine Reform der Strafverfolgung. Organisationen wie HateAid oder der Frauennotruf berichten teils von Wartelisten für Beratung. Studien, wie sie beispielsweise vom Deutschen Institut für Menschenrechte oder Amadeu Antonio Stiftung veröffentlicht werden, verdeutlichen: Digitale Gewalt trifft längst nicht nur Prominente – jede Frau mit Online-Präsenz kann Opfer werden.

Weitere Erkenntnisse legen nahe, dass die Übergänge zwischen digitaler und analoger Gewalt fließend sind: Täter nutzen oft Messenger, soziale Medien oder Standortdienste, um Kontrolle und Einschüchterung auszuüben – häufig beginnt es im Privaten und kulminiert im Digitalen.

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