Eigentlich kann einen ja kaum noch etwas überraschen, wenn es um den Ukraine-Krieg geht. Und dennoch: Berlin mischt erneut direkt mit, als in Kiew neue US-diplomatische Vorstöße anrollen.
Berliner Stimme am Tisch der Verhandlungen
Ungewöhnlich klar sagte Sebastian Hille, der stellvertretende Sprecher der Bundesregierung: Deutschland war beim Treffen dabei. Das machte er am Montag deutlich – und man ahnt, in welchen Kreisen da abgewogen und gerungen wird. Interessant dabei: Nicht nur auf Wunsch von USA und Paris, sondern auch explizit von der Ukraine.Suche nach dem kleinsten gemeinsamen Nenner
Vor Ort suchte man – zumindest dem Tonfall nach – nicht die große Lösung, sondern prüfte ab, wo überhaupt noch Spielraum für Gespräche bleiben könnte. Ein alter Hut, möchte man denken. Immer wieder wurde zwar betont, die Ukraine sei offen für Gespräche, während Russland an sämtlichen traditionellen Forderungen eisern festhält. Doch vielleicht liegt der Teufel im Detail und es ergeben sich irgendwann Risse im Eispanzer der Maximalpositionen.Trump-Vertreter erstmals an der Front der Diplomatie
Eine kuriose Note bekommt das Ganze durch die Teilnahme der US-Unterhändler Witkoff und Kushner, die als Gesandte Donald Trumps ihren Einstand in Kiew gaben. Politische Farbenlehre hin oder her – für viele Beobachter ist schon die physische Präsenz ein Signal: Die USA, egal wer regiert, verlieren das Thema Ukraine nicht aus dem Blickfeld. Und auch die europäischen Mentoren sind wieder mit von der Partie.Das politische Gewicht der E3-Staaten
Berlin, Paris, London stellen sich also einmal mehr gemeinsam an die Front der Verhandlungen – jedenfalls, wenn es darum geht, eigene Akzente zu setzen. Auch wenn die große Lösung ausbleibt, ist es ein Statement europäischer Mitsprache. Nicht zuletzt betont Deutschland fortlaufend, eine akzeptable Friedensregel müsse die Unantastbarkeit ukrainischen Staatsgebiets beinhalten – ein Mantra, das zumindest rhetorisch wenig Raum für Kompromisse lässt.Perspektiven – und enttäuschte Hoffnungen?
Kann das, was sich da in Ministerbüros in Kiew und Berlin abspielt, überhaupt kurzfristig etwas bewirken? Vermutlich nicht. Für Leserinnen und Leser bleibt der Eindruck: Viel kann im Hintergrund geschehen, aber solange Moskau auf seiner Linie verharrt, bleibt das Geschehen an der Front entscheidend. Vielleicht wird der diplomatische Faden zumindest so gesponnen, dass in ferner Zukunft ein Gesprächskanal offenbleibt – eine Hoffnung, die Politiker meist nur mit vorsichtigen Worten aussprechen. Gleichwohl: Der Drang, das Heft des Handelns nicht völlig aus der Hand zu geben, treibt westliche Diplomaten immer aufs Neue nach Kiew.