Manchmal sind es gerade die Ergebnisse von Umfragen, bei denen man leicht ins Grübeln gerät. Eine Untersuchung im Auftrag der Konrad-Adenauer-Stiftung ergründete, wie Deutschland in ausgewählten Ländern der arabischen Welt wahrgenommen wird. Heraus kam, dass insbesondere Syrer dem Land der Dichter und Denker mit 73 Prozent Sympathie begegnen, dicht gefolgt von Tunesien (70 Prozent). Das mag zunächst überraschen, denn weder die politische noch die wirtschaftliche Lage in den genannten Regionen ist entspannt – und dennoch klebt am deutschen Image offenbar ein positiver Glanz. Interessant auch am Rande: Bundeskanzler Friedrich Merz wird immerhin von 27 Prozent der syrischen Befragten als führend in Sachen Nahostpolitik eingeschätzt, was so mancher in Berlin vermutlich anders sehen würde.
Auffällig ist außerdem, dass Israel in den Ländern Libanon, Jordanien, Syrien, Tunesien, Palästina und Ägypten als größte Bedrohung gesehen wird – mit eindeutigen Mehrheiten; eine Einschätzung, die sich seit Jahren hartnäckig hält und tief ins politische Klima greift. Womöglich noch bemerkenswerter: Die Unterstützung für eine Zweistaatenlösung in Sachen Nahostkonflikt bröckelt. Unter jungen Palästinensern, also den unter 30-Jährigen, steht nur noch ein Drittel hinter der Idee, während es bei den Älteren fast doppelt so viele sind.
Die Umfrage, die von 8. Mai bis 3. Juli 2026 (ein Tippfehler?) lief, umfasste über 8.400 Telefoninterviews in Marokko, Tunesien, Ägypten, den palästinensischen Gebieten, Jordanien, Libanon und Syrien. Es wurden Fragen zu politischen und wirtschaftlichen Ansichten gestellt, aber auch zu internationalen Beziehungen. Man fragt sich unwillkürlich: Wie sehr beeinflussen Konflikte, Wirtschaftskrise und globale Entwicklungen eigentlich noch das Bild, das andere Länder von Deutschland haben? Und wie langlebig ist so ein positives Image, wenn sich das Weltgeschehen mit diesen rasanten Sprüngen verändert?
Laut einer neuen KAS-Studie besitzt Deutschland in vielen arabischen Ländern – insbesondere Syrien und Tunesien – ein positives Image, wobei Bundeskanzler Merz in Sachen Nahostpolitik dort unerwartet viel Zustimmung erhält. Gleichzeitig zeigen die Studienergebnisse tiefe Gräben im regionalen Sicherheitsempfinden, da Israel in mehreren Staaten als zentrale Bedrohung empfunden wird; darüber hinaus schwindet bei jungen Palästinensern die Unterstützung für eine Zweistaatenlösung deutlich. Die Umfrage, im Sommer 2026 von der Konrad-Adenauer-Stiftung beauftragt, setzte auf umfangreiche Telefoninterviews zu politischen, wirtschaftlichen und internationalen Fragestellungen und spiegelte damit nicht nur Momentaufnahmen von Meinungen, sondern auch langfristige gesellschaftliche Trends wider.
Weitere Recherchen zeigen, dass sich die Berichterstattung großer Medien aktuell auf Themen wie fortgesetzte Unruhen im Nahen Osten und die deutschen außenpolitischen Strategien konzentriert. Auf zeit.de wird beispielsweise die aktuelle Debatte zur deutschen Waffenexportpolitik in den Nahen Osten beleuchtet und in Frage gestellt, inwiefern diese Handlungen Deutschlands Image beeinflussen (Quelle: Die Zeit). Die FAZ diskutiert, wie sich der deutsche Ruf in den arabischen Ländern mit der Zunahme von Migration und politischen Spannungen weiterentwickelt und greift dabei auch kritische Stimmen zu Integrationspolitik auf (Quelle: FAZ). Darüber hinaus thematisiert Spiegel.de, wie die deutsche Entwicklungszusammenarbeit besonders in Tunesien und Marokko Fortschritte, aber auch Rückschläge im Landbewusstsein hervorruft (Quelle: Spiegel).
Insgesamt zeigen die Recherchen, dass Deutschlands Rolle in der arabischen Welt starken Schwankungen unterliegt und die öffentliche Meinung dort sowohl von aktuellen Krisen als auch langfristigen politischen und ökonomischen Faktoren beeinflusst wird.