Gasspeicherziele vor Winter: Bundesnetzagentur dampft Erwartungen ein

Vor der kalten Jahreszeit verabschiedet sich die Bundesnetzagentur von ihrem ambitionierten Ziel: 80 Prozent gefüllte Gasspeicher sind nicht mehr realistisch. Präsident Klaus Müller richtet den Blick auf alternative Importquellen – und setzt auf eine kommende staatliche Gasreserve.

heute 13:01 Uhr | 2 mal gelesen

Manche Ziele sind wie zu enge Schuhe: gut gemeint, aber am Ende drückt's nur und weiter kommt man trotzdem nicht. So sieht es derzeit jedenfalls bei den deutschen Gasspeichern aus – denn die vielbeschworene 80-Prozent-Marke, eigentlich gesetzt bevor es richtig kalt werden soll, ist laut Bundesnetzagentur diesmal nicht mehr drin.

Einigkeit unter Experten: 80 Prozent sind passé

Schon fast mit Schulterzucken sagte Klaus Müller, Präsident der Bundesnetzagentur, bei Phoenix, dass Theorie und Realität eben nicht immer zueinanderfinden. Die 80 Prozent seien längst ein Phantomziel, technisches Ringen vergeblich. Alle maßgeblichen Fachleute stimmen Müller nun zu: Der neue Kurs lautet, pragmatisch weiterbefüllen und nicht an alten Wunschbildern kleben.

Status Quo: Speicherstand besser als befürchtet, aber nicht top

Mit aktuell rund 56 Prozent Füllstand stehen Deutschlands Speicher besser da als 2022 zur vergleichbaren Zeit. Ein kleiner Trost: Das ist schon jetzt mehr als der tatsächliche Verbrauch des vergangenen Winters. Trotzdem bleibt's eine Gratwanderung – alles unter 80 Prozent birgt Risiken, darüber machen sich viele Gedanken, aber eben nicht mehr alle Illusionen.

Alternativen: LNG und mehr – ein Flickenteppich gegen den Engpass

Noch so ein interessantes Detail: Speicher sind heutzutage nicht mehr das einzige Eisen im Feuer. Müller verweist auf vier neue LNG-Terminals, die längst einspringen, sowie auf Gas-Ströme aus Norwegen, Belgien, den Niederlanden und Frankreich – da mischt also einiges mit. Das Ganze klingt nach Plan B, macht aber die Versorgung zumindest weniger verwundbar.

Staatliche Gasreserve – der neue Joker?

Politik denkt selten gerne ans Scheitern, doch die Pläne für eine strategische Gasreserve sind weit gediehen. Müller plädiert für Tempo bei der Gesetzgebung, denn ohne rechtliche Basis bleibt die Reserve Wunschdenken. Wer weiß: Im Ernstfall könnten diese Vorräte der berühmte Notgroschen sein, der die Wirtschaft und Haushalte schützt, auch wenn am Ende natürlich wieder die Frage nach den Kosten mitschwingt.

Versorgung im Winter: Ein Puzzle aus vielen Teilen

Ob private Haushalte dem Winter jetzt entspannter entgegensehen können? Jein. Speicherstände, Importe, LNG, Gesetzesinitiative – alles spielt hinein. Die Preise am Großmarkt bleiben ohnehin eine eigene Baustelle, und vermutlich wird auch die Debatte um staatliche Eingriffe nicht so schnell verstummen.

Die 80 Prozent scheinen Geschichte

Die Bundesnetzagentur rüttelt an einem zentralen Ziel der deutschen Energiepolitik: Die Speicher werden vor dem Winter wohl nicht die erhofften 80 Prozent erreichen, aktuell sind sie bei rund 56 Prozent. Der Ausbau alternativer Importmöglichkeiten – insbesondere durch LNG-Terminals und Versorgungsabkommen mit Norwegen, Belgien und den Niederlanden – verspricht zwar mehr Flexibilität, ist aber noch kein Allheilmittel.

Neue Entwicklungen und vertiefende Details

In den letzten 48 Stunden ist die Debatte um Versorgungssicherheit noch einmal hochgekocht, nicht zuletzt, weil steigende Gaspreise erneut die Industrie und Privathaushalte belasten: Laut Süddeutscher Zeitung warnen Energieexperten inzwischen, dass hohe Strom- und Gaspreise den Wirtschaftsstandort Deutschland langfristig schwächen könnten. Ein Artikel der Zeit weist darauf hin, dass sich viele Stadtwerke besonders verunsichert zeigen und flexibel auf eine schwankende Marktlage reagieren müssen. Spiegel berichtet ergänzend über politischen Druck, die Gasreserve rascher einzuführen, damit im Winter keine Panik droht und besonders schutzbedürftige Verbraucher wie soziale Einrichtungen abgesichert bleiben. Für den kurzfristigen Winterausblick bleibt das Risiko von Preissprüngen, echten Versorgungsengpässen wird aber von den meisten Beobachtern eine niedrige Wahrscheinlichkeit zugeschrieben.

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