Ölpreisanstieg drückt auf Löhne: Deutsche Industrie vor Herausforderungen

Steigende Energiepreise nach dem US-Militärschlag gegen den Iran könnten Angestellten in deutschen Industriebetrieben finanzielle Einbußen bescheren – zeigen neue Forschungen.

heute 10:00 Uhr | 2 mal gelesen

Das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) hat sich das ganze genauer angesehen. Ökonom Steffen Müller bringt es auf den Punkt: Ein 10-prozentiger Anstieg bei Energiepreisen senkt – rein rechnerisch – die Löhne im Industriesektor durchschnittlich um rund 0,34 Prozent. Klingt erst mal wenig, aber gerade in Branchen, in denen Strom und Gas ohnehin große Kostentreiber sind, kann aus einer Gehaltserhöhung schnell heiße Luft werden. Betroffen sind vor allem Beschäftigte, die auf die jährlichen Gehaltsrunden zählen – weil ein echter Ölpreisschock kann das alles schnell zunichte machen. Bitter: Senken sich die Energiepreise wieder, geben viele Unternehmen das Plus nicht gerne weiter. Müller konstatiert nüchtern: Nur im Krisenfall wachsen die Sorgen an der Lohnfront, in guten Zeiten bleibt der Gürtel eng geschnallt. Ein bisschen dauert es allerdings, bis solche Veränderungen im Portemonnaie ankommen; kurzfristige Preissprünge beeindrucken den Lohnzettel kaum, ein langfristiger Schock dagegen tut weh. Ehrlich gesagt: Überraschend ist das nicht – aber irgendwie frustrierend bleibt’s trotzdem.

Die IWH-Studie wirft Licht auf ein oft übersehenes Phänomen: Steigen die Energiepreise durch geopolitische Ereignisse, wie jüngst nach dem US-Angriff auf den Iran, geraten Löhne in der deutschen Industrie massiv unter Druck. Besonders energieintensive Sparten – etwa die Chemie- oder Stahlbranche – bekommen das zu spüren; Experten warnen vor einer regelrechten Entwertung des Lohnzuwachses. Neuere Pressestimmen betonen in Bezug auf aktuelle Daten, dass Arbeitgeber die Senkung der Energiepreise höchstens in der Kostenbilanz bemerken, aber kaum an die Mitarbeitenden weitergeben. Neben der unmittelbaren Lohnentwicklung könnte eine anhaltende Preis-Rallye für Energie auch die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Industriebetriebe weiter schwächen – und das in Zeiten, in denen die Konjunktur ohnehin auf wackligen Beinen steht.

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