Manchmal reicht schon ein politischer Sturm im Wasserglas, um das fragile Vertrauen in die Regierung arg zu erschüttern. Genau so sieht es jedenfalls Gordon Schnieder, seines Zeichens Ministerpräsident in Rheinland-Pfalz und CDU-Mitglied. Im Gespräch mit der 'Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung' (FAS) findet er, dass nach gerade einmal halbherzigen Reform-Fortschritten in Berlin solch eine unangenehm schlecht ausgeführte Regierungsumbildung das mühsam Gewonnene sofort wieder einreißt. Besonders stört ihn die Entlassung seines Bruders Patrick Schnieder, bisher Bundesverkehrsminister. Der Ablauf: Merz wollte ihn abberufen, doch über Nacht sprang dem Minister der potentielle Nachfolger ab. Patrick erfuhr es – und wickelte es frühmorgens in Eigenregie ab, was prompt durch die Medien ging. Ein kleiner Wink vom Kanzler vorab hätte das Chaos vermeiden können, findet Gordon Schnieder. "Ich bin ehrlich gesagt stolz, dass mein Bruder diese peinliche Hängepartie dann selbst beendet hat", sagt er.
Gleichzeitig verteidigt Schnieder die heftige Kritik, die nach dieser Aktion aus seiner Mainzer Landtagsfraktion Richtung Merz schoss. Die Botschaft sei gewesen: "Loyalität funktioniert nicht nur in eine Richtung." Trotz Dauer-Rückhalt aus der Partei sei irgendwann einfach Schluss gewesen angesichts des Stils von Merz, meint Schnieder weiter. Dass gerade reger Unmut die AfD gestärkt habe, sieht er auch als Folge eben dieser Regierungsarbeit. Dennoch, auch wenn sich Schnieder als Ministerpräsident den AfD-Leuten die Hand gibt – als einfacher Abgeordneter oder privat lehnt er das weiter ab. "Ein Mindestmaß an Anstand gibt’s aber immer: Man sagt Guten Tag, nicht mehr und nicht weniger."
Gordon Schnieder geht öffentlich auf Distanz zu Kanzler Friedrich Merz und rügt dessen chaotisches Krisenmanagement bei der Regierungsumbildung – insbesondere wegen der undurchsichtigen Entlassung seines Bruders, Patrick Schnieder. Schnieder findet deutlich, Merz habe das gerade wiederhergestellte Vertrauen mit unnötigem Aktionismus verspielt und Loyalität nicht ausreichend erwidert. Neuere Entwicklungen zeigen, dass der Unmut innerhalb der Union und Richtung Kanzler wächst; Kritik am Kommunikationsstil und fehlende innere Geschlossenheit werden lauter diskutiert. Zudem steht die CDU durch schleppende Fortschritte bei Sachthemen und interne Querelen weiter unter Druck, während die AfD von der Unzufriedenheit und Unsicherheit profitiert. In jüngsten Debatten um Führungsstil, parteiinterne Machtspiele und gesellschaftliche Folgen wird deutlich, wie fragil das politische Gleichgewicht derzeit ist.