Handwerkspräsident Dittrich: Stromsteuer senken statt Flickwerk bei Spritpreisen

Jörg Dittrich, Chef des Zentralverbands des Deutschen Handwerks, sieht in kurzfristigen Spritpreis-Eingriffen keine nachhaltige Strategie. Er fordert stattdessen grundsätzliche Veränderungen – speziell bei der Stromsteuer und den Lohnnebenkosten – damit Handwerksbetriebe nicht unverhältnismäßig belastet werden.

heute 00:03 Uhr | 2 mal gelesen

Für Jörg Dittrich, den obersten Vertreter des deutschen Handwerks, sind die politischen Pläne, den Spritpreis zu dämpfen, nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Bereits der Hinweis auf "Strukturreformen" klingt fast ein wenig ermüdet – als hätte man das schon zu oft gefordert, doch selten bekommen.

Schnelle Eingriffe, langfristige Probleme

Natürlich versteht man, dass Politik manchmal kurzentschlossene Maßnahmen bringen muss. Tanken bleibt eben für viele ein tägliches Pflichtprogramm. Aber das eigentliche Dilemma: Wer jetzt nur an der Tankstelle entlastet, übersieht das große Ganze.

Überhaupt: Es sind die kleinen Veränderungen im Verhalten der Menschen, etwa abgesagte Handwerkertermine, die kaum auffallen – und doch schlagen sie direkt bei den Betrieben durchs Budget. Das Problem rollt also leise an, wird aber schnell existentiell.

Belastungsprobe für Familienbetriebe

Für Familienunternehmen – von außen oft idyllisch betrachtet – sind Schwankungen brutal. Wer viele Fahrzeuge betreibt, merkt jeden zusätzlichen Cent beim Tanken. Und kaum schraubt jemand im Haushalt den Gürtel enger, fallen Dienstleistungen wie der Friseurbesuch oder kleine Reparaturen als erstes hinten runter.

Es geht nicht nur um aktuelle Preise, sondern um psychologische Unsicherheit: Wer weiß schon, was als Nächstes kommt? Das bremst Investitionen und kostet im schlimmsten Fall den Familienbetrieb die Existenz.

Der Ruf nach anderen Mitteln: Strom und Lohn zum Anfassen

Dittrich ist überzeugt, wirkliche Entlastung wird nur erreicht, wenn die Energiepreise – etwa über niedrigere Stromsteuern – und die Arbeit – durch geringere Lohnnebenkosten – günstiger werden. Es sind ja gerade diese Dauerbelastungen, die Betrieben die Luft nehmen.

Einmalzahlungen helfen höchstens kurzfristig, baut Dittrich ein leises Misstrauen gegenüber "schnellen Lösungen" ein. Die Frage, was Handwerksbetriebe wirklich krisenfest macht, bleibt für ihn unbeantwortet, wenn es wieder nur um Einmaleffekte geht.

Ein altes Lied? Belastungen, die kaum kleiner werden

Im Kern zieht sich dieselbe Melodie durch die vergangenen Jahre: Handwerk leidet unter Energiepreisen, Lohnzusatzkosten, Steuern und zig Formularen. Gerade kleine Unternehmen, mit engen Margen und viel Eigenleistung, werden an mehreren Stellen gleichzeitig gedrückt.

Niedrigere Abgaben könnten da mehrfach wirken: Sie würden Modernisierungen leichter machen, und vielleicht auch mal wieder Neueinstellungen befeuern. Doch bislang bleibt das für viele eher ein frommer Wunsch als greifbare Realität.

Zwischen Notmaßnahme und Richtungswechsel

Man kann nicht leugnen, dass schnelle Hilfen bei Spritpreisen manchmal notwendig sind. Aber: Über das Dauerproblem – strukturelle Belastung – gehen diese selten hinaus. Die große Frage bleibt: Traut sich die Politik endlich, den tieferen Ursachen der Handwerksmisere an den Kragen zu gehen?

Jörg Dittrich kritisiert, dass die Diskussion um Spritpreise als politische Schnellhilfe zu kurz greift. Nachhaltige Entlastung für Handwerksbetriebe könnte nur über strukturelle Veränderungen wie die Senkung der Stromsteuer und Lohnnebenkosten kommen, da diese insbesondere kleineren Firmen dauerhaft belasten. Interessanterweise ist die deutsche Stromsteuer europaweit mit am höchsten, wie aktuelle Analysen bestätigen – und eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft zeigt, dass gerade kleine Handwerksbetriebe rund 35 % ihrer Kosten für Energie und Personal ausgeben.

Zusätzliche Recherche-Details

Neuste Berichte der Spiegel betonen, dass Handwerksbetriebe wegen Bürokratie und Energiepreisen derzeit besonders investieren zurückhalten; etwa jeder zweite Betrieb fühlt sich in seiner Existenz bedroht. Wie die Zeit ausführt, warnen Wirtschaftsverbände zudem vor einem Abwandern von Unternehmen ins Ausland, wenn die Energiepreise nicht entschärft werden. Laut FAZ gibt es in der Bundesregierung zwar Gedankenspiele zur Stromsteuersenkung, aber konkrete Reformen wirken weiterhin schleppend – was zu wachsender Frustration im Mittelstand führt.

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