Hybrid-DRGs: Unerwartete Kosten nach Reform – AOK sieht 360 Millionen Euro Mehrbelastung für 2025

Eine neue Auswertung des Wissenschaftlichen Instituts der AOK legt nahe, dass die Hybrid-Fallpauschalen, die 2024 eingeführt wurden, das Gegenteil dessen bewirken, was gewünscht war: Anstatt Einsparungen melden gesetzliche Kassen spürbare Mehrkosten im kommenden Jahr. AOK-Bundesverbandschefin Carola Reimann verlangt von der Politik ein sofortiges Gegensteuern.

heute 20:14 Uhr | 2 mal gelesen

Dass Gesundheitsreformen meistens komplizierter ausfallen als im Gesetzestext vorgesehen, ist kein Geheimnis. Nun aber bringt eine aktuelle Analyse des AOK-Instituts allerlei Staub auf: Statt Kostendämpfung verursachen Hybrid-DRGs im Jahr 2025 laut Prognose satte 360 Millionen Euro Mehrausgaben für die gesetzlichen Krankenkassen.

Unangenehme Überraschung: Fallzahlen steigen kräftig

Mit dem Ziel, Krankenhausbetten zu entlasten und mehr Eingriffe ambulant zu ermöglichen, transferierten die Hybrid-DRGs einen Teil der Operationen aus Kliniken in Praxen. Klingt auf dem Papier einfach – die Realität aber legt einen überraschenden Haken: Besonders Operationen wie das Entfernen der Gallenblase oder das Beheben von Leistenbrüchen schnellen in der Statistik nach oben. Die Regelung verschiebt eben nicht bloß Behandlungsorte, sie steigert offenbar auch die Eingriffszahlen kräftig.

Carola Reimann, oberste Vertreterin des AOK-Bundesverbandes, äußert dazu mehr als nur Stirnrunzeln. Sie hält die Reform der Ampel-Koalition für „gut gedacht, aber schlecht umgesetzt“, wie sie der FAZ mitteilte. Ihr Appell: Die Vergütungslogik muss gründlich nachgebessert werden, und zwar bald.

Hybrid-DRGs – Gemeinsame Bezahlung, wachsende Ausgaben?

Seit 2024 gilt nun: Krankenhäuser und niedergelassene Ärzte erhalten für bestimmte Prozeduren die gleiche Summe – unabhängig vom Ort der Behandlung. Während Kliniken am Ende mit weniger Geld dastehen, können Ärztinnen und Ärzte außerhalb der Krankenhaustür mit besseren Honoraren rechnen. Das Kalkül: ambulant ist oft günstiger als stationär. Widerspruch bietet eine Zahl, mit der das AOK-Institut aufwartet – die Zahl der abgerechneten Fälle stieg insgesamt um 17 Prozent, statt weniger wird es also eklatant mehr.

Die Quittung sind eben nicht Einsparungen, sondern eine empfindliche Belastung für das gesetzliche System. Reimann fordert deshalb: Um diese Fehlanreize zu stoppen, müssten die Pauschalen mindestens um ein Drittel gesenkt werden.

Diskussion um politische Nachbesserung

Dass diese Studienergebnisse für hitzige Diskussionen im Bundestag sorgen werden, dürfte unausweichlich sein. Es bleibt die Frage: Wie schafft es die Politik, Vergütungsmodelle zu entwerfen, die einerseits Veränderung ermöglichen, aber andererseits keine Auswüchse und unnötigen Kostenexplosionen mit sich bringen?

Tatsächlich trifft das AOK-Papier einen wunden Punkt im Machtkampf um Gesundheitsreformen. Die Hybrid-DRGs sollten planbare Eingriffe aus teuren Klinikbetten lösen und ins kostengünstigere Umfeld schicken – doch wenn am Ende mehr operiert wird, greift die ganze schöne Theorie zu kurz. 360 Millionen Euro – das ist ein ziemlich lautes Wecksignal für die Ampelkoalition.

Pauschale Vergütung und ihr Preis

Ob Gallenblasen-Schnippeln oder Leistenbruch-Korrektur: Für beides gibt es ab 2024 überall gleiches Geld. Klingt gerecht, entpuppt sich aber als ein Bumerang, wie die Untersuchung zeigt. Die 17 Prozent mehr Fälle lassen erahnen, dass mit dem neuen Vergütungsmodus nicht nur Sektorgrenzen, sondern auch Schwellen für medizinische Interventionen gefallen sein könnten.

Die Erwartung einer Systemersparnis bleibt also bisher Illusion. Die Empfehlung der AOK: Die Fallpauschalen um 30 Prozent nach unten – ob das wirklich alles löst oder wieder nur die nächste Problemwelle lostritt?

Weniger Betten, mehr Eingriffe – was bedeutet das für Patienten?

Im besten Fall ist ambulant weniger belastend – kürzere Aufenthalte, weniger bürokratische Hürden, vielleicht sogar schnellere Genesung. Aber wenn sich die Zahl der OPs insgesamt signifikant erhöht, geraten wir zwangsläufig an einen Punkt, an dem man kritisch fragen muss: Wird tatsächlich zum Wohle der Patientinnen und Patienten operiert oder verselbständigen sich finanzielle Logiken?

Die AOK-Studie setzt jedenfalls einen neuen Impuls in der Debatte um sektorübergreifende Gesundheitspolitik. Es bleibt die Kunst, Anreize so auszubalancieren, dass sie für die Versicherten und das System taugen – und nicht nur das nächste Loch in die Kassenzahlen reißen.

Die Einführung der Hybrid-DRGs hat laut einer neuen Analyse des Wissenschaftlichen Instituts der AOK die Gesamtkosten in der gesetzlichen Krankenversicherung erhöht, statt sie wie ursprünglich erhofft zu senken. Insbesondere die Zunahme der Fallzahlen – ein Plus von 17 Prozent bei bestimmten Operationen – unterstreicht, dass statt einer reinen Verlagerung von Behandlungsorten unerwünschte Mengenausweitungen entstanden sind. Die politische Debatte über die Ausgestaltung der zukünftigen Vergütung dürfte durch diese Ergebnisse neuen Schwung bekommen; bereits jetzt werden Forderungen nach einer Reduktion der Fallpauschalen um bis zu 30 Prozent laut.

Aktuelle Berichte in anderen Medien beleuchten die Diskussion um steigende Gesundheitsausgaben weiter: Die Deutsche Welle berichtet, dass Experten eine grundlegende Neujustierung der Krankenhausfinanzierung fordern, um Fehlanreize zu vermeiden. Die Süddeutsche Zeitung hebt hervor, wie Krankenhäuser aufgrund der neuen Vergütungsstruktur wirtschaftlich unter Druck geraten und warnt vor einer möglichen Verschlechterung der Versorgungsqualität im ländlichen Raum. Der Spiegel zeigt zudem auf, dass viele niedergelassene Ärzte zwar von den neuen Pauschalen profitieren, die steigenden Fallzahlen aber insgesamt das Gesundheitssystem zusätzlich belasten (Quelle: [Deutsche Welle], Quelle: [Süddeutsche Zeitung], Quelle: [Der Spiegel]).

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