Kommunen pochen auf Unterstützung bei sauberer Luft: Bund und Länder in der Pflicht

Während die EU den Druck für strengere Luftqualitätsvorgaben erhöht, fordern Deutschlands Städte von Bund und Ländern mehr Engagement. Der Leipziger Oberbürgermeister und Präsident des Deutschen Städtetages, Burkhard Jung, mahnt: Die Kommunen haben viele Möglichkeiten bereits ausgeschöpft – jetzt sind Gesetzgeber und Verursacher gefragt.

heute 00:02 Uhr | 2 mal gelesen

Deutschland steht erstmal wieder an so einem Wendepunkt: Die Städte fordern lauter und deutlicher von Bund und Ländern, endlich selbst Verantwortung für saubere Luft zu übernehmen. Bloß noch ein Fahrradweg mehr, noch ein Tempolimit, noch ein Luftreinhalteplan – das, so heißt es aus Reihen der Kommunen, reicht einfach nicht mehr.

Wer verteilt die Aufgaben eigentlich richtig?

Der Präsident des Deutschen Städtetages, Burkhard Jung, ist da durchaus klar in seinen Worten: "Die Städte allein mit der Last zu beladen, ist unfair und ineffizient." Schon heute, so Jung, seien vielerorts die Werte für Feinstaub und Stickstoffdioxid auf akzeptablem Niveau. Klar, klingt irgendwie nach Verteidigung – aber auch nach einer gewissen Erschöpfung. Schließlich haben die Kommunen in den letzten Jahren zahlreiche Maßnahmen umgesetzt, von Fahrverboten über mehr Grün bis hin zu innovativen Frischluftschneisen.

Besteht überhaupt noch Spielraum?

Nach Jungs Einschätzung: kaum. Tempolimits, weniger Straßen, neue Parks – die Werkzeugkiste der Städte ist nicht bodenlos. Ohne einen deutlich breiteren Schulterschluss mit Bund und Ländern sieht er wenig Hoffnung, künftige, nochmals verschärfte EU-Grenzwerte überhaupt einzuhalten.

Industrie und Landwirtschaft: Wer ist jetzt dran?

Klarer Appell: Jetzt müssen die wahren „Schleudern“ wie Verkehr, Industrie, Energie und Landwirtschaft ran. Die Luft in den Städten wird nicht allein durch lokale Maßnahmen reiner, meint Jung. Die großen Emittenten gehören stärker reguliert – das kann kein Stadtrat, sondern nur die Gesetzgeber auf Landes- und Bundesebene anpacken.

Neue EU-Luftregeln – und jetzt?

Das Bundeskabinett diskutiert diese Woche über ein Gesetz, das die verschärften Werte der EU-Luftqualitätsrichtlinie ins deutsche Recht schreibt. Die Uhr tickt: Bis Ende des Jahres müssen die neuen Grenzwerte stehen – und die sind so ambitioniert, dass ohne tiefgreifende Änderungen bei Industrie und Verkehr bald wieder rote Zahlen in den Statistiken drohen. Es geht nicht nur um weniger Schadstoffe, sondern auch um den Schutz der Menschen vor Atemwegs- und Herz-Kreislauf-Problemen.

Föderalismus und Frust: Wer trägt die Verantwortung?

Jung weist darauf hin: Die Debatte ist nicht rein technisch, sondern hochpolitisch. Die Kommunen hätten das Ihre getan, jetzt erwarten sie klare Rahmenbedingungen und auch Geld vom Bund und den Ländern. Sonst bleibt am Ende doch wieder alles auf den Schultern der Städte lasten – und die Bürger erleben neue Verbote, aber wenig Veränderung an den Ursachen der Belastung.

Bürger, Wirtschaft und Alltag: Was kommt da noch?

Für viele Unternehmen geht es künftig wohl um Investitionen in saubere Technik, auch die Bauern und Spediteure könnten spüren, dass neue Regeln in Kraft treten. Klar, all das schützt hoffentlich die Gesundheit – doch es wird sich auch im Alltag bemerkbar machen. Und ob am Ende wirklich alle an einem Strang ziehen? Da bleibt eine gewisse Skepsis.

Die Städte beklagen, dass sie die Luftverschmutzung mit lokalen Maßnahmen kaum noch weiter verbessern könnten und fordern, dass nun vor allem Bund und Länder die Hauptverantwortlichen für striktere Luftqualitätsstandards werden. Der Präsident des Deutschen Städtetags, Burkhard Jung, macht deutlich: Ohne gesetzliche Änderungen und gezielte Vorgaben für Industrie, Verkehr und Landwirtschaft – allesamt große Verursacher von Emissionen – seien die kommenden EU-Mindestwerte wohl nicht zu erreichen. Der aktuelle Kabinettsentwurf für die Umsetzung der Richtlinie betont strenge Werte für Feinstaub und Stickstoffdioxid, was nicht nur die Kommunen, sondern auch Wirtschaft und Privathaushalte zu Veränderungen zwingt.

Zusätzliche Details aus der aktuellen Berichterstattung

Laut einem Artikel auf zeit.de waren viele Städte bereits gezwungen, umfassende Maßnahmen wie Umweltzonen, Modernisierung des Nahverkehrs und Förderprogramme zur E-Mobilität zu ergreifen. Die Wirtschaft kritisiert jedoch neue EU-Grenzwerte als zu ambitioniert; gleichzeitig betonen Umweltverbände die Bedeutung strikter Regeln für Gesundheit und Klima (Quelle: sueddeutsche.de). In Debatten der letzten 48 Stunden wurde besonders die Notwendigkeit fairer Kostenverteilung zwischen Bund, Ländern, Kommunen und privaten Investoren unterstrichen, um den Wandel sozialverträglich zu gestalten (faz.net).

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