Eine aktuelle Umfrage – diesmal durchgeführt von Forsa im Auftrag des „Trendbarometers“ für RTL und ntv – bringt eine recht eindeutige Stimmungslage ans Licht. Beeindruckende 95 Prozent aller Befragten sehen in Krankenhäusern einen akuten Bedarf an Klimatisierung oder anderen Kühlvorrichtungen; das ist fast schon ein gesellschaftlicher Konsens, der so gar nicht oft zu finden ist. Bei Alten- und Pflegeheimen teilen beeindruckende 92 Prozent diese Meinung. Das Thema tangiert aber auch andere Institutionen. Schulen schnappen förmlich nach Luft, immerhin 78 Prozent wünschen sich auch dort dringend Abhilfe. In Ämtern, Behörden und anderen Verwaltungsgebäuden scheint der Handlungsdruck nicht so hoch zu sein – nur 37 Prozent halten dort technische Kühlung für vordringlich, vielleicht weil der Kontakt zu Hitze besonders für Risikogruppen schwerwiegender wirken kann.
Erstaunlich: Das Meinungsbild zeigt quer durch politische Lager und Regionen Ähnlichkeiten. In Ostdeutschland fallen die Zahlen mit 96 Prozent besonders hoch aus, kaum geringer sind sie im Westen (94 % Krankenhäuser, 91 % Pflegeheime). Selbst bei den politischen Polen – von AfD bis Linkspartei – ist die Zustimmung erstaunlich: 92 bzw. 89 Prozent bei AfD-Anhängern, bei den Linken fast einstimmig 99 und 97 Prozent. Das Thema trifft offenbar einen Nerv, der über Lager hinweggeht.
Klar ist aber auch: Die mediale Debatte zur Klimakrise und die reale Erfahrung steigender Temperaturen wirken hand in Hand. Die Häufung von Hitzewellen wird durch die globale Erwärmung befeuert, und solange fossile Brennstoffe in unserem Alltag eine Rolle spielen, bleibt die Frage nach effektivem Hitzeschutz akut. Vielleicht ist es höchste Zeit, Krankenhäuser und Pflegeheime nicht nur als Orte der Heilung zu betrachten, sondern auch als Bastionen gegen die Hitze.
Die Umfrage hebt hervor, wie sehr sich die Bevölkerung angesichts der immer häufigeren Hitzewellen um die Gesundheit von besonders gefährdeten Gruppen sorgt. Besonders bemerkenswert ist der breite Konsens über Parteigrenzen und Regionen hinweg, was selten der Fall ist in Fragen, die mit Infrastruktur und Klimawandel zu tun haben. Während also in sensiblen Einrichtungen wie Kliniken und Pflegeheimen fast alle Handlungsdruck sehen, bleibt für Schulen und Ämter zwar auch ein Bedürfnis, aber mit deutlich geringerer Dringlichkeit. Hinzu kommt: Nach aktuellen Diskussionen und Berichten gibt es immer noch keine bundeseinheitlichen Vorgaben für Hitzeschutz in Pflegeeinrichtungen; viele Häuser setzen nur auf mobile Geräte, weil eine flächendeckende Ausrüstung mit fest installierter Technik als zu teuer oder organisatorisch schwierig gilt. Auch berichtet beispielsweise die Süddeutsche Zeitung, wie sich Städte und Kommunen bislang vor allem auf kurzfristige Maßnahmen konzentrieren, obwohl der Handlungsdruck weiter steigt. Neue Programme zur Förderung von energieeffizienter Kühltechnik werden zwar diskutiert, aber flächendeckende Lösungen für alle Einrichtungen fehlen bislang. Gerade Ärzte- und Pflegeverbände warnen in jüngsten Artikeln, die Zahl der hitzebedingten Todesfälle könne bis 2050 ohne konsequente Ausrüstung und Prävention deutlich steigen.