Mal ehrlich: Wer in letzter Zeit beim Facharzt einen Termin brauchte, kennt das Problem – Ärztemangel ist, vorsichtig gesagt, eine akute Baustelle. Nun greifen zwei Schwergewichte in Hamburg durch: Asklepios und MSH Medical School Hamburg legen ihre Kompetenzen zusammen und bieten ab 2026 etwa 75 mehr Studienplätze pro Semester für Humanmedizin an. Erstmals ausgebildet wird nach deutschem Recht auch direkt in den Hamburger Asklepios Kliniken, die damit neben den Helios Kliniken Schwerin zum Campus der MSH werden. Asklepios-Chef Joachim Gemmel spricht von der 'Verpflichtung', die Gesundheitsversorgung durch Nachwuchsförderung abzusichern. Was neu ist: Praktische Ausbildungseinheiten und moderne, interdisziplinäre Unterrichtsformen bekommen mehr Raum. Besonders betont werden der Praxisbezug und die Teamarbeit zwischen den medizinischen Disziplinen – eine Entwicklung, die dem theoretisch oft abgehobenen Medizinstudium gut tut. Schon 2012 gab es eine ähnliche Kooperation mit Helios Schwerin, die sich bewährt hat: Der Medizinabschluss dort wird, wie berichtet, mittlerweile regelmäßig gefeiert. Das Erfolgsrezept – ein flexibel angepasstes Curriculum – soll künftig Hamburg und Schwerin verbinden.
Neue Wege gibt es auch im Zugang zum Medizin-Studium: Neben der Bezugs-Partnerschaft mit der Semmelweis-Uni in Budapest bietet Asklepios künftig über die MSH den Weg zum deutschen Staatsexamen, ohne die bisherigen Plätze dort zu kürzen. Die MSH setzt ihren Fokus konsequent auf ein Studium, das Theorie und Praxis, Wissenschaft und Anwendung kombiniert – oder, wie Geschäftsführerin Ilona Renken-Olthoff sagt: „Ohne Fingerspitzengefühl in der Praxis nützt die schönste Theorie nichts.“ Lustiger Nebensatz: Als Einstieg in die Praxisphase dient ab 2026 das Klinikum Harburg – mit eigener Lehrstation und brandneuem Hörsaal. Weitere Hamburger Standorte wie Altona könnten folgen.
Übrigens: Die IRO Group, zu der die MSH gehört, betreibt mehrere Hochschulen und Institute quer durch Deutschland, alle privat, staatlich anerkannt, und auf Gesundheit, Medizin oder rechtliche Themen spezialisiert. Asklepios-Kliniken wiederum stehen in Hamburg an sieben Standorten, decken rund die Hälfte aller Krankenhausbehandlungen ab und setzen auf Teamplay aus über 28 medizinischen Fächern. Das Versprechen: Top-Versorgung und reichlich Möglichkeiten für ärztlichen Nachwuchs zum Mitgestalten – ein Lichtblick in Sachen Ärzteversorgung in der Hansestadt.
Zwei Dinge prägen die neue Asklepios-MSH-Kooperation: Erstens wird die Zahl medizinischer Ausbildungsplätze in Hamburg deutlich angehoben, was im Kampf gegen den Fachkräftemangel vor Ort dringend gebraucht wird. Zweitens verknüpft man mehr denn je Praxis und Lehre – interdisziplinär, standortübergreifend, mit Fokus auf Teamarbeit und wissenschaftlicher Kompetenz, was den Studierenden einen realistischeren Einstieg ins spätere Berufsleben ermöglicht. Die Zusammenarbeit bezieht sich nicht nur auf klassische Medizinstudiengänge nach deutschem Rechtsrahmen, sondern ergänzt auch weiterhin die Partnerschaft mit der ungarischen Semmelweis-Universität – Vielfalt, Flexibilität und eine nachhaltige Verstärkung der lokalen medizinischen Versorgung stehen im Mittelpunkt.
Recherchen ergeben außerdem, dass der bundesweite Ärztemangel laut aktuellen Berichten sogar noch zugenommen hat: Besonders in ländlichen Regionen fehlen bereits heute zahlreiche Hausärzte. Die Diskussion, ob mehr Medizinstudienplätze allein Abhilfe schaffen, ist in vollem Gange; Experten fordern zugleich gezieltere Förderung von Allgemeinmedizin sowie bessere Arbeitsbedingungen für angehende Ärzte (vgl. taz.de und sueddeutsche.de). Parallel dazu experimentieren Universitäten wie die LMU München oder Einrichtungen in Nordrhein-Westfalen mit spezifischeren Auswahlverfahren und Praxis-Semestern, um Berufseinsteiger gezielter in benötigte Richtungen zu lenken. Es zeichnet sich also ab, dass Hamburgs Vorstoß nicht nur lokal, sondern als Modell für bundesweite Strategien dienen könnte.