Ott argumentiert, dass das Blockmodell der Altersteilzeit nach wie vor ein praktisches Instrument sei, um den Übergang aus dem Berufsleben in den Ruhestand sozial abzufedern. Dies gelte besonders in einem Industrieland wie NRW, wo er immer wieder von Beschäftigten höre, wie wichtig kalkulierbare Lösungen seien. Das Modell sieht vor, dass Angestellte zuerst mit weniger Gehalt arbeiten und anschließend eine Phase der Freistellung genießen – dabei sichern ihnen gesetzliche Vorgaben reduzierte, aber weiterlaufende Bezüge. Obwohl die Alterssicherungskommission der Bundesregierung ihre Abschaffung empfiehlt, stemmt sich Ott gegen eine zu kurzfristige Umsetzung – es brauche, so seine Forderung, transparente Übergangsregeln. Darüber hinaus dringt er darauf, dass die abschlagsfreie Rente für langjährig Beitragszahlende erhalten bleibt. Menschen, die jahrzehntelang malocht haben, dürften nicht am Ende ihres Berufslebens durch zusätzliche Abschläge bestraft werden. Der Verzicht auf diese Möglichkeit sei für viele in anstrengenden Berufen schlicht nicht zumutbar. Hinsichtlich Stammbelegschaften in Branchen wie Bau, Handwerk oder Pflege betont Ott, dass die Erwartung, einfach länger zu schuften, fern jeder Realität sei. Sein Credo: Wer kann, soll länger arbeiten dürfen – aber niemand soll dazu gezwungen werden.
Die Diskussion um die künftige Ausgestaltung der Altersteilzeit trifft besonders in NRW einen Nerv – nicht zuletzt, weil laufende Umstrukturierungen in der Industrie viele Menschen verunsichern. Otts Plädoyer für das Blockmodell kommt nicht von ungefähr: Immer mehr Beschäftigte, so zeigen Betriebsratsberichte, fürchten den Wegfall planbarer Übergänge. Die Bundesregierung steht unter Druck, Rentenpolitik sozial gerecht und generationengerecht zu gestalten – neue Vorschläge werden bereits im Bundestag hitzig diskutiert. Viele Gewerkschaften warnen vor sozialen Härten bei einer abrupteren Streichung bestehender Altersteilzeitmodelle, da insbesondere physisch belastende Berufe betroffen wären. Zeitgleich werden von Expert:innen Forderungen laut, die Modelle flexibler und gleichzeitig zukunftsfester zu gestalten; einige Rentenforscher verweisen jedoch auf die hohen Kosten, die viele Arbeitgeber nur noch schwer tragen wollen und können. Laut aktuellen Zeitungsberichten ist auch die SPD in anderen Bundesländern uneins, wie lange und in welcher Form Altersteilzeit-Regelungen Bestand haben sollten.