Ökonomen mahnen: Eurobonds könnten Deutschland teuer zu stehen kommen

Führende Wirtschaftswissenschaftler sehen die Idee gemeinsamer EU-Anleihen skeptisch – und halten den Moment für politisch wie ökonomisch verfehlt. Besonders für Deutschland seien Eurobonds wenig reizvoll. Die Debatte zeigt: Nicht jeder hält den Euro für bereit zur Leitwährung – und gemeinsame Schulden bleiben ein Reizthema.

heute 10:33 Uhr | 3 mal gelesen

Anleihe-Pläne in der Kritik

Zwei ausgemachte Experten ihres Fachs – Justus Haucap aus Düsseldorf und Clemens Fuest vom Münchner Ifo-Institut – machen keinen Hehl daraus, was sie von Eurobonds halten: Im Moment fehlt ihnen der Nutzen, zumindest aus Sicht Deutschlands. Haucap klingt fast ironisch, wenn er darauf verweist, es sei ein seltsamer Umkehrschluss, dass aus der Schwäche des Dollars nun ausgerechnet mehr EU-Schulden entstehen sollten.

Eurobonds: Mehr Risiken als Vorteile?

Haucap argumentiert ziemlich pragmatisch: Eurobonds würden für Deutschland eher zur Kostenvorteils-Falle – die Zinsen lägen vermutlich über dem heutigen Niveau der Bundesanleihen. Am Ende muss Deutschland, das als "Musterschüler" in Sachen Bonität gilt, für die Finanzierungslasten anderer EU-Staaten mit aufkommen. Damit fange man sich ein Problem ein, das bereits die USA plagt: zu hohe, kaum noch zu steuernde Staatsschulden.

Der Mythos Leitwährung

Die Vorstellung, mehr Schulden könnten den Euro auf magische Weise zuverlässig zur Leitwährung machen, ist für Haucap und Fuest ein Trugschluss. Fuest bringt es auf den Punkt: "Wir sind nicht die Vereinigten Staaten" – der Dollar profitiere von militärischer Stärke und politischer Einheit, die Europa so einfach nicht vorweisen kann. Am internationalen Währungs-Status des Euro ändere das nichts, solange ein wirklicher europäischer Bundesstaat fehlt.

Politische Integration – die Vorbedingung

Das Wort "Voraussetzung" fällt häufig in dieser Debatte. Fuest könnte sich Eurobonds vorstellen – ja –, aber nur, wenn Europa sich wirklich zu einem Machtblock entwickelt hat. Bis dahin bleibt das alles für ihn eine akademische Übung, die politisch wie wirtschaftlich fragwürdig wirkt.

Konflikte um EU-Anleihen

Was vielen gar nicht bewusst ist: Die EU hat schon jetzt mehr als 820 Milliarden Euro an gemeinsamen Anleihen im Markt platziert, vor allem dank des Covid-Wiederaufbaufonds. Ob dieses Provisorium jetzt Regel werden soll, ist umstritten und sorgt längst für politischen Streit. IW-Chef Michael Hüther sieht Chancen für den Euro, doch Haucap und Fuest mahnen: Ohne politische Reformen bleibt alles beim Alten.

Deutsche Zurückhaltung

Beide Wirtschaftsprofessoren sprechen nicht für das ganze Land, setzen aber einen Ton: Die Risiken passieren in Berlin auf offene Ohren. Was im Rest Europas als Solidarität verkauft wird, empfinden viele Deutsche als finanzielle Selbstaufgabe mit absehbaren Folgen für die Haushaltslage in der Heimat.

Fazit

Ob Eurobonds nun probates Finanzinstrument oder tickende Zeitbombe sind – das letzte Wort ist längst nicht gesprochen. Die Argumente zirkulieren, die Gräben zwischen Integrations-Befürwortern und Haushaltsrealisten bleiben tief. Es bleibt spannend. Und drängender denn je die Frage: Welches Europa will – und kann – sich Deutschland tatsächlich leisten?

Zusammengefasst & weitergedacht

Wirtschaftsprofessor Justus Haucap und Ifo-Chef Clemens Fuest bremsen die Eurobond-Euphorie: Für sie sind neue gemeinsame EU-Schulden kein Königsweg für den Euro, sondern könnten Deutschland teuer zu stehen kommen – vor allem, solange es keine echte europäische Regierung gibt. Die Befürworter sehen hingegen in einem schwächeren Dollar und der bisherigen Anleihepraxis (über 820 Milliarden Euro) ein Argument für mehr gemeinsame Schulden und hoffen so, den Euro als Alternative zu positionieren. Die Kritiker mahnen jedoch, der Vergleich mit den USA hinke gewaltig: Ohne politische, militärische und fiskalische Einheit bleibe der Euro sprichwörtlich 'ohne Rückgrat'.

Aktuelle Entwicklungen und Stimmen

Jüngst mehren sich in Brüssel die Rufe nach einer klareren Linie zur Rückzahlung und möglichen Verlängerung der bestehenden EU-Anleihen – bislang gibt es keine Einigung unter den Staaten, wie die Aufnahme neuer Schulden weitergehen soll. Analysten betonen inzwischen, dass die Diskussion um Eurobonds nicht mehr allein ein ökonomisches, sondern vor allem ein politisches Thema ist: Es geht um die Frage, wie stark die Mitgliedsstaaten wirklich gemeinsam haften wollen und können, und was das für nationale Haushalte bedeutet. Auffällig ist: In Deutschland wächst der Wunsch nach fiskalischer Stabilität, während andere EU-Staaten Druck für mehr finanzielle Solidarität machen.

Recherchen und neue Details

Aus aktuellen Medienberichten geht hervor, dass sich die kritische Haltung zu Eurobonds nicht nur auf Experten wie Haucap und Fuest beschränkt – auch führende Politiker der deutschen Regierungsparteien äußern öffentlich ihre Skepsis, insbesondere im Hinblick auf ausufernde EU-Haushalte und unklare Rückzahlungsmodalitäten. Immer mehr Ökonominnen und Ökonomen fordern deshalb eine grundlegende Debatte über die politischen Strukturen der EU, bevor kostspielige finanzpolitische Weichen gestellt werden; dies wurde etwa in der jüngsten Ausgabe der Süddeutschen Zeitung und FAZ betont. Generell bleibt der Konflikt zwischen dem Streben vieler EU-Staaten nach gemeinsamen Lösungen und dem deutschen Beharren auf nationaler Haushaltshoheit ein Dauerthema in Brüssel – absehbar ist keine rasche Einigung, vielmehr stehen die Zeichen auf einen langen, zähen Verhandlungssommer.

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