„Ein Kanzler Söder? Das fordert in Baden-Württemberg niemand. Und Hendrik Wüst? Der sollte sich erstmal um seine eigene Wahl kümmern.“ Oettinger spricht deutliche Worte zur aktuellen Stimmungslage in der Südwest-CDU: Zwar seien Enttäuschung und Ernüchterung nicht zu leugnen, betreffen aber weniger Friedrich Merz persönlich als die generelle Reformmüdigkeit in der Partei. Einen großen Teil der Verantwortung schiebt Oettinger den damaligen Fehlern bei der Bildung der Regierungskoalition zu – und findet auch für die jüngsten Kabinettswechsel keine lobenden Worte: Die als Neustart verkaufte Umbildung sei alles andere als beispielgebend, so Oettinger, wenngleich es legitim sei, Minister auszuwechseln.
CDU-Parteifunktionäre sprechen laut FAZ inzwischen von einer auffällig schlechten Grundstimmung innerhalb der Partei, was die Kanzlerschaft von Merz angeht. Früher habe eine deutliche Mehrheit auf ihn gesetzt, heute seien die Skeptiker in der Überzahl. Wolfgang Reinhart, einst Vorsitzender der CDU-Landtagsfraktion, findet gar noch schärfere Worte: Merz habe keine seiner Ankündigungen eingelöst – weder durch klare Programme noch durch persönliche Ausstrahlung. Der Vertrauensverlust gegenüber einem CDU-Bundeskanzler sei so massiv wie nie seit Bestehen der Partei. Die Kabinettsumbildung hält er für eine Farce, den hektischen Wechsel von Staatssekretären für „schlecht begründet“.
Günther Oettinger sieht trotz wachsender Unzufriedenheit keine echten Initiativen für einen Kanzlerwechsel in der baden-württembergischen CDU. Die Enttäuschung in der Partei betrifft eher das generelle Reformeinfrieren als die Person Merz; das eigentliche Problem liegt laut Oettinger und Reinhart im schlechten Management bei der Koalitionsbildung und dem unglücklich inszenierten Umbau des Kabinetts. Aktuelle Pressestimmen bestätigen das: Die CDU steht bundesweit vor einer Vertrauenskrise, während Landesverbände mehr Führungskompetenz und authentische Reformen fordern. In der aktuellen Nachrichtenlage wird deutlich, dass viele Mitglieder den Kurs der Parteispitze in Frage stellen, sich aber – insbesondere in Baden-Württemberg – kein Lager für einen Kanzlerwechsel gebildet hat. Gleichzeitig wird landesweit über die Orientierungslosigkeit der CDU diskutiert, etwa in der Frage, wie das konservative Profil und der Wille zu Erneuerung wirklich zusammenpassen können. Oettinger und Reinhart verweisen allerdings klar darauf: Auch eine Kabinettsumbildung ist kein Allheilmittel, wenn das Vertrauen grundsätzlich bröckelt.