Schimon Stein: Die AfD-Brandmauer ist gefallen – und jetzt?

Ex-Israel-Botschafter Stein sieht in der politischen Abgrenzung zur AfD ein verpasstes Projekt. Seine Warnung: Die Auseinandersetzung mit deren Ansichten ist im Interesse aller dringender denn je.

heute 07:59 Uhr | 1 mal gelesen

Es gibt manchmal diese Sätze, die klingen, als würden sie in Stein gemeißelt: Schimon Stein, früher Botschafter Israels in Berlin, bringt es so auf den Punkt – wenn mittlerweile rund 30 Prozent der Bevölkerung mit der AfD sympathisieren, könne sich auch die jüdische Gemeinschaft diesem Umstand nicht mehr durch Ignorieren entziehen. Er wirkt dabei erstaunlich nüchtern – vielleicht, weil er lange genug in politischer Verantwortung war, um Illusionen abzulegen. Die pro-israelische Rhetorik der AfD lässt er nicht gelten: Wer offen gegen Muslime hetzt, macht Juden nicht automatisch sicherer. Die Bedrohung liege tiefer. Stein spricht direkt davon, dass die 'Brandmauer' – dieser mittlerweile fast schon abgenutzte Begriff – offensichtlich bröckelt, oder schlicht nicht mehr existiert. Ideen lassen sich eben nicht einfach so verbieten oder verschweigen, meint er. Anderes Thema, aber eng damit verzahnt: Er pocht auf die Notwendigkeit, die AfD und ihre Konzepte offen zu enttarnen, zu bekämpfen und Menschen wachzurütteln. Gerade in Anbetracht der aktuellen Grundstimmung, die er als von Angst, Unsicherheit und Spaltung geprägt sieht. Antisemitismus fungiere als bitterer Gradmesser für gesellschaftlichen Zustand. Stein – immer noch in Berlin ansässig – erkennt hier eine gefährliche Gleichgültigkeit zur Demokratie. Worte wie 'Widerstand' oder 'Engagement' scheinen nur noch Worthülsen zu sein. Demokratie ist eben keine Selbstverständlichkeit, eher ein mühsam zu pflegendes Lebewesen. Und genau da hakt's, findet Stein. Viel zu wenig Wasser, um im Bild zu bleiben.

Schimon Stein, ehemaliger israelischer Botschafter in Deutschland, warnt angesichts der zunehmenden Zustimmung zur AfD, dass sich auch jüdische Gemeinschaften aktiv mit den Ansichten und der Propaganda der Partei auseinandersetzen müssen. Er betrachtet das derzeitige Klima in Deutschland als stark von Ängsten und gesellschaftlicher Spaltung geprägt und sieht die 'Brandmauer' der politischen Abgrenzung zur AfD als gescheitert an – insbesondere, da die Partei auch mit vermeintlich pro-israelischer Haltung bestehende demokratische und gesellschaftliche Gefahren nicht abwenden kann. Stein mahnt, dass Demokratie aktive Verteidigung und kontinuierliches Engagement braucht, da sonst Gefahr bestehe, dass demokratische Werte zu leeren Versprechen verkommen.

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